Der „Rally ‘round the flag“-Effekt

Die Zustim­mungs­werte – erfragt in der „Sonn­tags­frage“ – für die Regie­rungs­par­teien CDU/​CSU und SPD stei­gen seit Mitte März signi­fi­kant. Das ist wäh­rend einer Krise die­ses Aus­ma­ßes nicht unge­wöhn­lich. In der Poli­tik­wis­sen­schaft spricht man hier von einem „Rally ‘round the flag“-Effekt: die Bevöl­ke­rung ver­sam­melt sich um ihre poli­ti­sche Füh­rung. Aus gege­be­nem Anlass möchte ich die­ses Phä­no­men kurz und mit aller nöti­gen Ver­ein­fa­chung erklä­ren.

Ergeb­nisse der „Sonn­tags­frage“ versch. Insti­tute zu untersch. Erfas­sungs­zeit­punk­ten 30-Tage-Ansicht (Quelle: Sta­tista)
Ergeb­nisse der „Sonn­tags­frage“ (Infra­test Dimap) in einer Sechs-Monats­an­sicht

Beson­ders gut doku­men­tiert ist der „Rally ‘round the flag“-Effekt in der US-ame­ri­ka­ni­schen Poli­tik, was mit der dor­ti­gen poli­ti­schen Kul­tur zusam­men­hän­gen dürfte (zen­tra­lis­ti­scher, patrio­tis­ti­scher und per­so­na­li­sier­ter):

„For the most part, chan­ges in pre­si­den­tial appro­val tend to be rela­tively modest in scope, but the afo­re­men­tio­ned spike in popu­la­rity enjoyed by George Bush rep­res­ents a dra­ma­tic excep­tion to this rule. Such effects—often refer­red to as rally-’round-the-flag effects—are not com­mon, but they have been exten­si­vely docu­men­ted by poli­ti­cal sci­en­tists when they do, in fact, occur.“

​(Lam­bert et al., 2011)​
Der „Rally ‘round the flag“-Effekt wei­ter­le­sen
Veröffentlicht am: 7. April 2020
Geschrieben von: Dominik Lawetzky
Kategorien: Politik

Politische Wochenschau: Leben in der Krise – Vernunftpanik und Idiotie (KW 14)

In die­ser – end­lich wie­der­be­leb­ten – Wochen­schau liste ich bemer­kens­werte Arti­kel, Tweets, Videos etc. auf und kom­men­tiere diese. Diese Woche beschäf­tige ich mich damit, wie mit­tels Apps die Infek­ti­ons­wege von SARS-CoV‑2 (vulgo Coro­na­vi­rus) nach­ver­folgt wer­den kön­nen und wie es um die Medien und die Men­schen in die­sen Zei­ten steht. Außer­dem wende ich mei­nen Blick in den Osten Euro­pas, wo zwei ältere Her­ren – „Boo­mer“ könnte man sagen – die Demo­kra­tie von der Klippe sto­ßen.

In den Händen gehaltenes Handy
Bild: Pixabay

Debatte über Corona-Tracking-App

Zur­zeit wird rege dar­über dis­ku­tiert, wel­che Maß­nah­men gegen die SARS-CoV-2-Pan­de­mie sinn­voll und vor allem ver­hält­nis­mä­ßig sind. Mit Blick auf die erfolg­rei­che Miti­ga­tion des Virus in eini­gen asia­ti­schen Staa­ten steht die Frage im Raum, wel­chen Effekt die Nut­zung von Stand­ort­da­ten zur Ver­fol­gung (tracking) der Virus­ver­brei­tung hat. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahns Novel­lie­rungs­ent­wurf des Infek­ti­ons­schutz­ge­setz sah ursprüng­lich genau das vor. Die­ser Vor­stoß führte zu har­scher Kri­ti­ker, wor­auf­hin der ent­spre­chende Pas­sus aus dem Ent­wurf gestri­chen wurde.

Eine frisch publi­zierte Stu­die von Wissenschaftler:innen der Uni­ver­sity of Oxford zeigt jedoch: Je nach Aus­ge­stal­tung wären circa 70 Pro­zent in Deutsch­land dazu bereit, eine Corona-Tracking-App zu nut­zen. Ein genaue­rer Blick auf die The­ma­tik lohnt sich also.

Poli­ti­sche Wochen­schau: Leben in der Krise – Ver­nunft­pa­nik und Idio­tie (KW 14) wei­ter­le­sen

Essay: Die Legende der konstruktiven Kritik

„Nein, das ist doch kei­nes­falls hilf­reich. Hast du einen bes­se­ren Vor­schlag?“, keift einer. Das sei doch keine „kon­struk­tive Kri­tik“ und man solle bes­ser die Klappe hal­ten, anstatt Ent­schei­dungs­pro­zesse unnütz zu erschwe­ren. Ein ande­rer feixt, ob man denn noch nichts von gewalt­freier Kom­mu­ni­ka­tion gehört habe: „Ich sehe, was mich füh­len lässt und des­we­gen wün­sche ich …“

Blaue Sprechblase mit rot-weißem Megaphon
Bild: Pixabay

Sze­nen wie diese spie­len sich die­ser Tage vie­ler­orts ab, wenn Kri­tik um der Kri­tik wil­len geäu­ßert wird. Kri­tik, die zur Refle­xion anre­gen soll, und nicht die Prä­misse stellt, es bes­ser zu wis­sen. Manch­mal ohne gänz­lich zu Ende gedacht zu sein, soll sie ande­ren den Zugang zum eige­nen Denk­pro­zess ermög­li­chen – nicht mehr und nicht min­der.

Lei­der ist diese Form theo­re­ti­scher Kri­tik unend­lich in Ver­ruf gera­ten. Völ­lig zu Unrecht, denn gerade theo­re­ti­sche Kri­tik ist wesent­li­cher Bestand­teil des wis­sen­schaft­li­chen Dis­kur­ses und trennt die­sen von den Sphä­ren der Poli­tik ab.

Essay: Die Legende der kon­struk­ti­ven Kri­tik wei­ter­le­sen
Veröffentlicht am: 8. April 2020
Geschrieben von: Dominik Lawetzky
Kategorien: Kultur

Intern: Nichts bleibt beim Alten

Seit nun­mehr einem hal­ben Jahr betreibe ich hob­by­mä­ßig die­sen Blog. Bis dato hatte ich meine Texte bei Medium ver­öf­fent­licht, was vor allem den Vor­teil hatte, dass ich mich um nichts küm­mern musste. Wer mich kennt, weiß, dass ich gut darin bin, aus die­sem Vor­teil einen Nach­teil zu machen – ich küm­mere mich gerne. Schon Anfang letz­ten Jah­res sicherte ich mir für meine G Suite die Domains lawetzky​.de und domi​ni​kla​wetzky​.de. Im Som­mer erwuchs dar­aus die Idee, einen klei­nen Blog auf­zu­bauen, um meine Texte dort zu publi­zie­ren und gege­be­nen­falls Folien von Vor­trä­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Für unkom­pli­zier­tes Web­site-Buil­ding hat man mitt­ler­weile die Wahl zwi­schen zahl­rei­chen Bau­käs­ten – Squa­respace, Jim­bdo und Wix sind ver­mut­lich die bekann­tes­ten. Ich wählte Wix, da mir das User Inter­face am über­sicht­lichs­ten erschien. Kom­pli­zierte Lösun­gen mit eige­nem Hos­ting kamen zu die­sem Zeit­punkt nicht infrage, da ich noch her­aus­fin­den wollte, ob regel­mä­ßi­ges Blog­gen über­haupt etwas für mich ist.

Screen­shot: Neues Web­site-Design

Ein hal­bes Jahr spä­ter bin ich am glei­chen Punkt wie mit Medium: die Vor­teile von Wix wer­den zu Nach­tei­len. Und so kommt es, dass bereits nach einem hal­ben Jahr der erste Refresh mei­ner Seite „live“ geht. In die­sem Arti­kel eröffne ich einen Blick hin­ter die Kulis­sen die­ser (neuen) Web­site, denn das Pro­jekt Blog 2.0 hat sich als auf­wen­di­ger als gedacht her­aus­ge­stellt.

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Veröffentlicht am: 1. April 2020
Geschrieben von: Dominik Lawetzky
Kategorien: In eigener Sache

Ticker: SARS-CoV-2-Pandemie

Die­ser Ticker wird rele­vante Mel­dun­gen aus Wis­sen­schaft, Poli­tik und Wirt­schaft zum soge­nann­ten neu­ar­ti­gen Coro­na­vi­rus abde­cken. Außer­dem fin­den sich hier einige all­ge­meine Fak­ten zum Virus und der durch das Virus indu­zier­ten Erkran­kung.

Der Über­sicht hal­ber ist der Ticker geglie­dert in drei Mel­dun­gen aus Wis­sen­schaft (orange), Poli­tik (grün) und Wirt­schaft (blau). Der Ticker wird mehr­mals täg­lich aktua­li­siert.

In eige­ner Sache: Wir kom­men aktu­ell nicht mehr nach, alle wis­sen­schaft­li­chen Publi­ka­tio­nen, Pre­prints etc. zu lesen; des­we­gen schlie­ßen wir die­sen Ticker. Wer auf dem Lau­fen­den blei­ben will, dem emp­feh­len wir die Sei­ten des Spie­gel sowie Zeit online.

Ticker

Wissenschaft: Aktuelle Fallzahlen für Deutschland (25.03.2020, 15:00)

Fol­gende inter­ak­tive Gra­fik zeigt die aktu­elle COVID-19-Fall­zahl und die Ent­wick­lung in Deutsch­land. Die Daten wer­den bezo­gen von der Johns-Hop­kins-Uni­ver­si­tät und täg­lich aktua­li­siert.

Zudem hier eine ein­fach model­lierte Expo­nen­ti­al­funk­tion, die dem reel­len Wachs­tum annä­he­rend ent­spricht und damit grobe Vor­her­sa­gen mög­lich macht. Wich­tig: Die aktu­ell ein­ge­lei­te­ten Maß­nah­men wir­ken sich mit Ver­zö­ge­rung (Delay) auf die Ent­wick­lung der COVID-19-Infek­tio­nen aus, da die Zeit zwi­schen Infek­tion und Mani­fes­ta­tion – Inku­ba­ti­ons­zeit genannt – den Impact ver­zö­gert erschei­nen lässt.

Die y‑Achse ist loga­rith­misch ska­liert, wodurch expo­en­ti­el­les Wachs­tum (CASES /​ FORECAST) liniear dar­ge­stellt wird; das dient zur Über­sicht. Unten noch­mal die glei­chen Gra­phen mit einer lineare y‑Ach­sen-Ska­lie­rung.

Hier gelan­gen Sie zu den Gra­fi­ken in Voll­for­mat.

Ticker: SARS-CoV-2-Pan­de­mie wei­ter­le­sen
Veröffentlicht am: 7. April 2020
Geschrieben von: Dominik Lawetzky und Matthias Lawetzky
Kategorien: Wissenschaft