Im Rheingau-Taunus-Kreis schmücken seit letzter Woche zahlreiche Wahlplakate die Laternenmasten und Straßenschilder. Dabei betreiben die Parteien nicht nur eine Corperate-Identity-Schlacht, sondern buhlen auch um Aufmerksamkeit und letztlich Einprägsamkeit.

In meiner Tätigkeit für den Kreisverband von Bündis 90/Die Grünen habe ich mich damit beschäftigt, wie wir unsere Kampagne einprägsamer machen.

Selektive Wahrnehmung

Letzteres ist nicht einfach zu erreichen, da nach einer initialen Verwunderung über die Plakatierung die meisten eine Banner blindness entwickeln. Diese Form der selektiven Wahrnehmung kennen wir alle. Oder ist Ihnen aufgefallen, dass ich das obige Bild manipuliert habe?

Banner Blindness bedeutet nicht unbedingt, das Plakat zu übersehen. Sie sehen zwar das Plakat, nehmen jedoch den Inhalt nicht vollständig wahr.

Wahrnehmung ist Sehen mit Aufmerksamkeit, und da unsere Aufmerksamkeit stark beschränkt ist, investieren wir sie nur sehr gezielt.

Bedeutet: Ein gutes Wahlplakat schafft es, genug Aufmerksamkeit zu erhaschen, um wahrgenommen zu werden. Um das zu erreichen, müssen die Wahlplakate neuartig sein – aus dem Schema ausbrechen.

Aus dem Schema ausbrechen

Anfang Dezember letzten Jahres formulierte ich das erste Mal meine Idee: Jede Person solle mit einem Gegenstand fotografiert werden. Zu diesem Zeitpunkt war die Idee nur Skizze, eine grobe Vorstellung davon, wohin es gehen sollte.

Der Gegenstand, so dachte ich, würde die Salienz erhöhen. (Salienz beschreibt in der allgemeinen Psychologie die Auffälligkeit eines Objekts. Je höher sie ausfällt, desto mehr Aufmerksamkeit erregt sie → orangefarbiger Punkte.)

Erst ein paar Wochen später fiel mir ein, wie man einen Gegenstand in das Konzept Kopfplakat integrieren kann.

Folgende Instruktionen formulierte ich in einer E-Mail Anfang Januar:

Häufig werden Kopfplakate als Selbstzweck betrachtet. Der Kopf soll schlichtweg bekannt werden. Dabei ist ein Portrait allein zwar hübsch, jedoch noch nicht unbedingt überzeugend. Dafür bedarf es einer empfundenen Ähnlichkeit zu der dargestellten Person: „Das mache ich auch. Damit kann ich mich identifizieren.“

Wir möchten auf den Kopfplakaten folglich nicht nur einen Kopf, sondern auch die Persönlichkeit, die in ihm steckt, präsentieren.

Dafür sollt ihr euch bitte überlegen: Welche Aktivität repräsentiert mich? Sicherlich ist es nicht leicht, die eine repräsentative Aktivität zu finden. Fragt vielleicht eure Familie oder eure engsten Freund*innen, welche Aktivität sie sehen, wenn sie an euch denken.

Als nächstes gilt es, diese Aktivität in ein Bild zu überführen. Gibt es einen Gegenstand, der mit eurer Aktivität verbunden wird? Oder eine bestimme Körperhaltung? Bringt diesen Gegenstand mit. Überlegt euch idealerweise im Vorhinein, wie ihr natürlich mit dem Gegenstand eure Aktivität darstellen könnt.

Ein Beispiel: Nehmen wir an, ich kümmerte mich gerne um meinen Garten und verbrächte meine Zeit zu großen Teilen in der Natur. Als Aktivität würde sich das Gärtnern eignen, das ich beispielsweise mit einer Schippe oder einer Gießkanne, aber auch mit einer Blume darstellen könnte.