Guten Morgen,

diese Woche gibt es wieder einen „klassischen“ Blick auf die Nachrichtenlage. Es ist viel passiert, also beginnen wir besser direkt.

The Art of the Deal

Anfang der Woche verkündete Donald Trump, er unterstütze den Verkauf der Kurzvideo-Plattform TikTok an einen US-amerikanischen Konzern. Günstig, dass sich Microsoft bereits in Stellung gebracht hatte …

Warum Microsoft? Der Konzern wolle mit der Akquisition von TikTok sein Image verjüngern, mutmaßt der Tech-Analyst Dan Ives. Viele assoziierten mit Microsoft das Betriebssystem Windows oder die Office-Anwendungen Word, Excel und PowerPoint. Im Gegensatz zu Facebook und Google wirke der Konzern auf viele „verschlafen“.

Microsoft hat in den letzten Jahren bereits eine Reihe anderer Unternehmen erfolgreich übernommen – darunter das Computerspiel Minecraft (2014) und die Networking-Plattform LinkedIn (2016).

Was will Trump? Der US-Präsident sorgte mit seiner Aussage für Verwirrung, er wünsche sich einen „nicht unwesentlichen Anteil“ an dem Verkaufspreis von TikTok als Provision. Denn er – so seine Auffassung – habe den Verkauf erst ermöglicht.

Am Donnerstag unterzeichnete Trump ein Dekret, dass TikTok noch 45 Tage gewährt, bis der Daten- und Finanztransfer zu seiner chinesischen Mutter ByteDance unterbunden wird. Damit wäre TikTok in den Vereinigten Staaten de facto verboten.

Wie geht es weiter? Für Microsoft ist das alles eine glückliche Fügung, denn TikTok dürfte durch das Dekret nicht nur an Wert verlieren, sondern steht unter immensem Druck, eine Sperrung zu verhindern.

Allerdings wird zunehmend auch Kritik an einem möglichen Verkauf an Microsoft laut. Der Spin ist der, dass Microsoft in der Vergangenheit zu eng mit der kommunistischen Partei zusammengearbeitet habe. Fakt ist, Microsofts Suchmaschine „Bing“ ist die einzige verbleibende westliche Suchmaschine, die in China zugelassen ist – dank umfassender Zensur durch Microsoft.

Derweil kommen auch Zweifel auf, ob TikTok wirklich als Spionage-Werkzeug der kommunistischen Partei Chinas eingesetzt wird. Einer Analyse eines französischen Hackers zufolge übermittelt die App nicht mehr Daten als andere Social-Media-Apps: „As far as we can see, in its current state, TikTok doesn’t have a suspicious behavior and is not exfiltrating unusual data. Getting data about the user device is quite common in the mobile world and we would obtain similar results with Facebook, Snapchat, Instagram and others.“

Der WDR hat sich den Spionage-Vorwürfen gegenüber TikTok in seiner „Aktuelle(n) Stunde“ gewidmet.

Von anderen lernen (oder auch nicht)

Seit dieser Woche haben die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg wieder geöffnet. Am Montag kommen Berlin und Schleswig-Holstein hinzu. Das bedeutet, knapp 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche lernen wieder miteinander. Ja, richtig – miteinander, in ihren Klassen.

Wo liegt das Problem? Ein Problem gibt es nicht. Nein, es sind viele! In einem frischen Blogpost gehe ich die fünf größten Probleme ein.

Eine Grundschullehrerin aus Rheinland-Pfalz hat mir berichtet: „Da herrscht immer noch der Aberglaube von ‚die Maske schützt mich und nicht andere, ich habe keine Angst, daher trage ich keine‘.“

Als sie sich besorgt geäußert habe wegen einer Konferenz im engen Lehrerzimmer, habe man ihr entgegnet, sie solle sich einen Mund-Nasen-Schutz anziehen und sich ans Fenster setzen. Wirklich ernst genommen fühlte sie sich nicht: „Ich musste in den letzten Monaten leider auf schmerzhafte Art und Weise erfahren, dass Bildung nichts mit Intelligenz zu tun hat.“

Das Fazit: „Leider tritt gerade nur zutage, woran das deutsche Schulsystem schon zu lange kränkt: fehlendes politisches Interesse.“

Schulöffnungen: Der Feldversuch | Dominik Lawetzky
Seit dieser Woche haben die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg wiedergeöffnet. Am Montag kommen Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein hinzu. Dasbedeutet, knapp 1,6 Millionen Kinder und Jugendliche[https://de.statista.com/statistik/daten/studie/981823/umfrage/anzahl-der-schueler-an-allgemeinbildenden-schulen/…

Explosives Staatsversagen

Der Libanon befindet sich derzeit in einer schweren Wirtschafts- und Währungskrise. Das Land ist zudem gebeutelt durch die Coronavirus-Pandemie. Am Dienstag lief das Fass über. Nur, dass es kein Tröpfchen war, das es zum Überlaufen brachte. Nein, es war eine gewaltige Explosion in Beiruts Hafen. Mindestens 150 Menschen starben, mehr als 5000 wurden verletzt und 300.000 obdachlos, berichtet die Washington Post.

Was war passiert? Die libanesische Hafenbehörde hatte 2013 schätzungsweise 2750 Tonnen Ammoniumnitrat beschlagnahmt. Ammoniumnitrat wird vor allem in Düngemitteln eingesetzt, kann jedoch auch zum Bau von Bomben verwendet werden. Die Einlagerung großer Mengen des Salzes stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, betonen der Terrorismusexperte Peter R. Neumann und der Biochemiker Marc-Michael Blum in einem Thread auf Twitter. Mutmaßlich hat sich ein nahestehendes Warenhaus entzündet, woraufhin das Ammoniumnitrat in Brand geriet und explodierte.

Was folgt? Die Explosion könnte der Katalysator für eine Anti-Regierungsbewegung im Libanon sein. Viele sind wütend auf die Regierung, die ihrer Meinung nach nicht genug für die Bevölkerung getan habe. Erste Rufe nach einer Revolution werden laut.

Der Libanon steht an einem Wendepunkt, das ist gewiss. Hoffentlich wird er nicht zu einem zweiten Venezuela.

Immer noch Interesse? Im Podcast „The Daily“ wurden die Ereignisse in (wie so oft) beeindruckender Weise aufgearbeitet. Die Washington Post bietet zudem eine Video-Analyse zum Hergang der Explosion.

Damit verabschiede ich mich dann für diese Woche.

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Bis nächste Woche!

Dominik Lawetzky