Jetzt, da der zweite Lockdown zwingend erforderlich scheint, bringen sich die Lobbyist*innen der Handelsbranche in Stellung. Überall liest man Forderungen nach weiteren Staatshilfen in Millardenhöhe. Der Handel leide doch so schrecklich.

Wo ist die Lobby derer, die ihre Liebsten an Covid-19 verloren haben? Heute wieder knapp 500 Familien, Freund*innen und Bekannte.

Wo ist die Lobby derer, für die Sars-CoV-2 ein immens hohes Risiko darstellt? In Deutschland sind das weit über 20 Millionen Menschen.

Wo ist die Lobby derer, die sich seit Monaten im Sozialleben massiv einschränken und darunter psychisch leiden?

Dem Handel geht es nicht gut – das stimmt. Aber es geht vielen Menschen derzeit um Längen schlechter.

Pandemie ist nicht Monopoly, sondern eine tötliche Realität. Wenn uns nicht passt, wie es läuft, können wir nicht trotzig das Spielbrett umhauen und es beenden. Unmut nährt das Virus. Incompliance ist seine Triebkraft.

Wann, wenn nicht jetzt, stellen wir ökonomische Interessen hintan und versuchen – wenigstens ein paar Wochen – so zu tun, als seien wir halbwegs solidarisch?


Ich schreibe bewusst vom zweiten Lockdown, denn das, was wir seit November erleben, hat wenig mit einem richtigen Lockdown gemein.