Poli­ti­sche Wochen­schau: Kein Ende in Sicht (KW 45)

In die­ser (unre­gel­mä­ßi­gen) Wochen­schau lis­te ich bemer­kens­wer­te Arti­kel, Tweets, Vide­os etc. auf und kom­men­tie­re die­se teil­wei­se.

Bild: Andrea Pia­c­qua­dio

Bre­x­it: Kein Ende in Sicht

Mit­te der Woche schien es so, als haben die Bri­ten und die Euro­päi­sche Uni­on end­lich einen gemein­sa­men Nen­ner gefun­den. Wei­ßer Rauch schien empor zu stei­gen. Der bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter Boris John­son schrieb auf Twit­ter: “Wir haben eine groß­ar­ti­ge neue Ver­ein­ba­rung, die uns die Kon­trol­le zurück­gibt – nun soll­te das Par­la­ment den Bre­x­it am Sams­tag abschlie­ßen.” Ein Ende war in Sicht.

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Im SPIEGEL heißt es pathe­tisch: “Wohl noch nie seit der poli­ti­schen Neu­ord­nung des Kon­ti­nents beim Wie­ner Kon­gress vor gut 200 Jah­ren muss­ten die Euro­pä­er ähn­lich kom­ple­xe Ver­hand­lun­gen mit so weit­rei­chen­den Fol­gen in so kur­zer Zeit abschlie­ßen.”

Doch täg­lich grüßt das Mur­mel­tier: Das bri­ti­sche Unter­haus hat die Ent­schei­dung über den Bre­x­it-Ver­trag nun ver­tagt und John­son auf­ge­for­dert, in Brüs­sel um wei­te­ren Auf­schub beim Bre­x­it zu bit­ten. John­son jedoch will sich nach eige­nen Aus­sa­gen wei­gern. Soll­te es kei­nen Auf­schub geben und bis zum 31. Okto­ber kein Bre­x­it-Vetrag vom bri­ti­schen Unter­haus sowie dem EU-Par­la­ment bestä­tigt sein, so käme es zu einem “hard bre­x­it”. Das Ver­ei­nig­te König­reich gäl­te fort­an an Dritt­staat, Zoll­kon­trol­len begän­nen und tau­sen­de EU-Bürger:innen fürch­te­ten um ihr Auf­ent­halts­recht im König­reich. Das Cha­os wäre per­fekt.

Das Bre­x­it-Desas­ter zeigt, wozu natio­na­le Hybris, Halb­wahr­hei­ten und ego­zen­tri­sche Poli­tik füh­ren. Die bri­ti­sche Regie­rung hat ihre Glaub­wür­dig­keit ver­spielt. Seit drei Jah­ren ver­weilt die EU in einem lethar­gi­schen Zustand, unent­schlos­sen ob der eige­nen Iden­ti­tät; dabei gäbe es weit­aus wich­ti­ge­re The­men.

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Poli­ti­sche Wochen­schau: 5. Akt – Trumps irra­tio­na­ler Allein­gang (KW 44)

In die­ser (unre­gel­mä­ßi­gen) Wochen­schau lis­te ich bemer­kens­wer­te Arti­kel, Tweets, Vide­os etc. auf und kom­men­tie­re die­se teil­wei­se.

Bild: The U.S. Army

Ein­zug tür­ki­scher Trup­pen nach Nord­sy­ri­en

Es ist kein Geheim­nis mehr, dass Donald Trump sei­ne Ent­schei­dun­gen nicht ratio­nal, son­dern emo­tio­nal trifft. Die damit ein­her­ge­hen­de Unbe­re­chen­bar­keit wird jedoch zuneh­mend zum Pro­blem. Anfang der Woche ver­kün­de­te der US-Prä­si­dent, einen Groß­teil der US-Trup­pen aus Nord­sy­ri­en zurück­ho­len zu wol­len. Damit stieß Trump auf Kri­tik von allen Sei­ten, denn die US-Trup­pen unter­stüt­zen im Wesent­li­chen die kur­di­schen “Syri­an Demo­cra­tic For­ces” (SDF), die wie­der­um etli­che IS-Hoch­bur­gen zer­schlu­gen. Das scheint Donald Trump gleich­gül­tig zu sein; er möch­te sein Wahl­kampf­ver­spre­chen wahr wer­den las­sen und Soldat:innen aus den Kriegs­ge­bie­ten zurück­ho­len.

Lei­der hat Trumps irra­tio­na­ler Allein­gang schlim­me Fol­gen: Von Anfang an wehr­te sich die Tür­kei gegen die US-Koope­ra­ti­on mit den SDF. Der tür­ki­sche Prä­si­dent Recep Tayy­ip Erdoğan unter­stellt den kur­di­schen SDF eine gewis­se Nähe zur ver­bo­te­nen ter­ro­ris­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on PKK und sah sein Land dadurch bedroht. Nun, da sich die US-Trup­pen zurück­zie­hen, inter­ve­niert Erdoğan und rückt nach Nord­sy­ri­en ein, um gegen die kur­di­schen Trup­pen vor­zu­ge­hen. Nach dem tür­ki­schen Außen­mi­nis­ter Mev­lüt Çavuşoğlu soll ein hun­der­te Kilo­me­ter lan­ger Kor­ri­dor an der tür­kisch-syri­schen Gren­ze errich­tet wer­den. Die­ser Kor­ri­dor sol­le die tür­ki­sche Gren­ze sichern.

Es kommt noch ein zwei­tes gehö­ri­ges Lei­der: Durch die Schwä­chung der kur­di­schen SDF dürf­te der IS wie­der erstar­ken. So könn­te es sein, dass Trumps irr­sin­ni­ger Allein­gang in letz­ter Kon­se­quenz den Syri­en­krieg (wort­wört­lich) erneut befeu­ert. Da dürf­te es nicht hel­fen, wenn der US-Prä­si­dent Anka­ra jetzt mit Sank­tio­nen droht: “Ich habe der Tür­kei klar­ge­macht, dass wir sehr schnel­le, star­ke und har­te Wirt­schafts­sank­tio­nen ver­hän­gen, wenn sie ihre Ver­pflich­tun­gen nicht ein­hal­ten.”

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Poli­ti­sche Wochen­schau: “whe­re have i heard that befo­re” (KW 43)

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Bild: Mar­tin Fal­bi­so­ner

Impeach­ment /​ Trumps Tweet-Diar­rhö

So nah kamen die Demo­kra­ten dem Impeach­ment Donald Trumps noch nie: Im „House of Repre­sen­ta­ti­ves“ wur­de in die­ser Woche ein Ver­fah­ren gegen den US-Prä­si­den­ten ein­ge­lei­tet. Bei einem Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren (nament­lich: Impeach­ment) nimmt das „House of Repre­sen­ta­ti­ves“ die Rol­le der Ankla­ge ein. Es ist zu erwar­ten, dass es zu einer sol­chen Ankla­ge kom­men wird, da die Demo­kra­ten die Mehr­heit im „House of Repre­sen­ta­ti­ves“ inne­ha­ben. Ver­mut­lich wird ein Impeach­ment im von Repu­bli­ka­nern domi­nier­ten Senat schei­tern, wel­chem im Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren die Rol­le der Judi­ka­ti­ve zufällt.

Die New York Times hat eine Lis­te erstellt, die auf­zeigt, wel­che Abge­ord­ne­ten des „House of Repre­sen­ta­ti­ves“ ein Impeach­ment gegen Trump unter­stüt­zen.

Donald Trump geht in die Defen­si­ve. So kön­nen wir ein Diar­rhö an Tweets bezeu­gen, die auf viel Häme sto­ßen:

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Dass Trumps Ton immer aggres­si­ver wird, je wei­ter er in die Enge getrie­ben wird, dürf­te dar­an lie­gen, dass er bis heu­te nicht für sei­ne Feh­lun­gen haft­bar gemacht wur­de. Die NYT-Repor­te­rin Mag­gie Haber­man berich­tet:

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Wer sich für die genau­en Hin­ter­grün­de zum Impeach­ment-Ver­fah­ren inter­es­siert, dem lege ich einen Zeit­strahl („Time­li­ne“) der New York Times nahe. Dort sind alle essen­zi­el­len Hand­lun­gen Donald Trumps, sei­nes Anwalts Rudolph W. Giu­lia­ni und sei­ner Mit­ar­bei­ter auf­ge­führt. Auch mir wur­de erst so das Aus­maß der Ver­wick­lun­gen klar …

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Kom­men­tar: Ein letz­ter Hil­fe­ruf!

Seit Jahr­zehn­ten ist bekannt, dass der Mensch durch sein uner­sätt­li­ches Wachs­tums­stre­ben der Umwelt mas­siv scha­det. Dage­gen vor­ge­gan­gen ist nie­mand — bis jetzt. Doch anstel­le eines gro­ßen Wurfs ist das Kli­ma­pa­ket ein wei­te­res Kin­ker­litz­chen. Heu­te rufen wir, Fri­days for Future, lau­ter denn je um Hil­fe!

Unge­ach­tet völ­ker­recht­li­cher Ver­pflich­tun­gen

Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hat sich durch die Unter­zeich­nung des Pari­ser Kli­ma­schutz­ab­kom­mens 2015 dazu ver­pflich­tet, Maß­nah­men zu ergrei­fen, um die glo­ba­le Erwär­mung bis 2100 auf deut­lich unter zwei Grad zu begren­zen. Refe­renz­wert für das 2‑Grad-Ziel ist die vor­in­dus­tri­el­le Zeit.

Um die­ser völ­ker­recht­li­chen Ver­pflich­tung nach­zu­kom­men, muss die Bun­des­re­pu­blik einen gesetz­li­chen Rah­men sowie die nöti­ge Infra­struk­tur schaf­fen, die es den Län­dern ermög­licht, die Erneu­er­ba­ren Ener­gien aus­zu­bau­en, Richt­li­ni­en zum Erhalt der Bio­di­ver­si­tät zu ent­wi­ckeln sowie die Kom­mu­nen dabei zu unter­stüt­zen, Kli­ma- und Natur­schutz auf Mikro­ebe­ne umzu­set­zen. Die Kom­mu­nen haben die Pflicht, vor­bild­haft vor­an­zu­schrei­ten. Dazu gehört ein aus­ge­gli­che­nes Maß an Sym­bo­lik und kon­kre­ten Maß­nah­men.

Das Kli­ma­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung wird dem nicht im Gerings­ten gerecht. Ein CO2-Preis von 10 Euro pro Ton­ne Koh­len­stoff­di­oxid ist kei­ne evi­den­te sym­pto­ma­ti­sche Behand­lung, son­dern Homöo­pa­thie! Die Pend­ler­pau­scha­le unter­stützt nach Berech­nun­gen des EWI Köln teils Fah­rer gro­ßer und inef­fi­zi­en­ter SUVs. Dar­über hin­aus ist die Pend­ler­pau­scha­le als Aus­gleichs­zah­lung unge­eig­net, da sie über die Ein­kom­mens­steu­er ver­rech­net wird. Alle, die die Steu­er­gren­ze von 10.000 Euro jähr­lich nicht über­schrei­ten, erhal­ten kei­ner­lei Aus­gleich. Die Absur­di­tät: Je gerin­ger das Ein­kom­men, des­to klei­ner der car­bon foot­print (dazu gleich mehr). Eben jene hät­ten den Aus­gleich als “Kli­ma-Divi­den­de” am ehes­ten ver­dient.

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Essay: Wird es zu spät sein?

Der men­schen­ge­mach­te Kli­ma­wan­del ist eine Rea­li­tät, der wir uns stel­len müs­sen. Jetzt. Sonst könn­te es zu spät sein. Denn wir haben etwas los­ge­tre­ten, deren Fol­gen wir nur schwer abschät­zen kön­nen.

„Wir haben kein Umwelt­pro­blem. Wir haben ein Gesell­schafts­pro­blem“

Maja Göpel

So spitz­te es Prof. Dr. Maja Göpel kürz­lich in einem Inter­view mit Jung & Naiv zu. Göpel ist Vor­sit­zen­de des unab­hän­gi­gen Wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats Glo­ba­le Umwelt­ver­än­de­rung der Bun­des­re­gie­rung. Der Mensch ist in sei­ner uner­mess­li­chen Ver­narrt­heit in jed­we­de Form von Bequem­lich­keit und in sei­nem rela­ti­ons­ver­mes­se­nen Stre­ben nach Mate­ri­el­lem das eigent­li­che Pro­blem. Doch in sei­ner Igno­ranz ver­passt er, sich die­ser Tat­sa­che zu stel­len. Das geht so weit, dass libe­ra­le Kräf­te (an vor­ders­ter Front die FPD) her­ge­brach­te „Frei­hei­ten“ bedroht sehen, wird bei­spiels­wei­se gefor­dert, das Auto in der Gara­ge ste­hen zu las­sen.

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Was die einen zu einem Refu­gi­um indi­vi­du­el­ler Frei­hei­ten ver­klä­ren, ist jedoch ein Dar­le­hen auf Kos­ten künf­ti­ger Genera­tio­nen. Für die Fahrt zur Arbeit eine Ton­ne Metall, Plas­tik und Tex­til zu trans­por­tie­ren, dar­auf kann nur behar­ren, wer ent­we­der eine Nach-mir-die-Sint­flut-Men­ta­li­tät eta­bliert hat oder auf­grund min­de­rer Intel­li­genz und feh­len­den Wis­sens nicht dazu in der Lage ist, die Irrever­si­bi­li­tät der patho­lo­gi­schen Schä­den am Öko­sys­tem zu ver­ste­hen.

Eine Grup­pe schlägt auf einen schwä­che­ren Men­schen ein. Gro­be Schlä­ge auf den Kopf. Drauf­hau­en, bis nichts mehr zu ret­ten ist. Polyt­rau­ma! Das Herz schlägt noch, doch die neu­ro­lo­gi­schen Schä­den füh­ren zum Hirn­tod. Die­ser Zustand ist irrever­si­bel, nicht umkehr­bar. Nichts nützt mehr. Juris­tisch tot. Lebens­er­hal­ten­de Maß­nah­men sind über­flüs­sig.

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