Am 27. Juni aktualisierte ich zuletzt meine Luca-Chronik. Zwei Monate später ist klar: Luca ist ein Millionengrab und völlig nutzlos in der Pandemie-Bekämpfung.

Der SPIEGEL hat über 200 der knapp 400 Gesundheitsämter zu Luca befragt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur die Hälfte der 114 Gesundheitsämter mit Luca-Anbindung hat überhaupt schon mal Daten von Luca abgefragt. 86 Gesundheitsämter antworteten detailliert auf die Fragen des SPIEGEL. Summa summarum sollen die Luca-Daten in nur 130 Fälle nützlich gewesen sein.

Zur Erinnerung: Die App wurde von 13 Bundesländern für insgesamt 21,3 Millionen Euro lizensiert. Trivial gerechnet bedeutet das 163.846 Euro je nachverfolgbarem Fall.

Zudem berichtet die SPIEGEL über eine steigenden Zahl von Beschwerden der örtlichen Gesundheitsämter:

Aus dem Main-Taunus-Kreis heißt es, der Nutzen stehe »in keinem Verhältnis zum Aufwand für Einführung und Betrieb der App«.

In Berlin kam es vergangene Woche zu einem Krisentreffen wegen Luca. Dort behindert die nicht freigegebene Anbindung an Sormas die Arbeit. Die Sormas-Betreiber bemängeln den unzureichenden Datenschutz bei Luca. Nun müssen die Mitarbeiter*innen der Gesundheitsämter händisch alle Daten von Luca zu Sormas übertragen. Auf der Website von Luca heißt es noch, „abgerufene Daten können einfach in verschiedene Systeme übertragen werden (zum Beispiel SORMAS)“. Nichts da!

Berlins regierenden Bürgermeister Michael Müller hatte im März verkündet, er habe „die [App] jetzt bestellt“, „ohne dass ich […] mich mit den technischen Details auskenne“. Die Lizenz kostete das Land 1,2 Millionen Euro.

Auch die Stadt Weimar hat den Betrieb von Luca mittlerweile eingestellt. Weimar gehörte im Frühjahr zu den Modellregionen von Luca.

Ein Großteil der Luca-Daten sei unbrauchbar, heißt es. In der Süddeutsche Zeitung erklärte dies Max Muth wie folgt:

Oft stellt sich heraus, dass die Luca-Daten unbrauchbar sind, weil Betreiber zu große Flächen mit nur einem Check-in ausstatten, eine Infektion also eher unwahrscheinlich ist.

An dieser Stelle lohnt sich ein Blick zurück in den Mai. Damals schrieb ich mit Bezug zur Effektivität von Luca:

Luca ist ein Klotz am Bein der Corona-Warn-App, die – durch schnelle und direkte Warnungen an Kontaktpersonen – effektiv Infektionen verhindern kann. Das bedeutet, wir sollten doch darüber nachdenken, die Luca-App rückabzuwickeln. In jedem Fall sollten wir allerdings Druck auf die Verwaltung aufbauen, die Corona-Warn-App ähnlich prominent zu bewerben.

Diese Einschätzung hat sich mittlerweile bewahrheitet. Die 130 nachverfolgbaren Fälle von Luca stehen im Kontrast zu knapp 500.000 geteilten positiven Testergebnissen mit der Corona-Warn-App. Angenommen jede dieser Personen hatte zu vier weiteren Personen Kontakt, ergäben sich daraus vier Millionen dezentrale Warnungen über die Corona-Warn-App – ohne dass auch nur ein Gesundheitsamt Daten auswerten musste.

Tatsächlich geteilte positive Testergebnisse im Zeitverlauf seit Start der App

Was die Sicherheitsbedenken bei Luca angeht, hat Hessen mittlerweile eine tiefgehende Überprüfung der App beim Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) angefragt. Diese wurde allerdings vom übergeordneten Bundesinnenministerium gestoppt. Da die Luca-Verträge von den Ländern abgeschlossen worden seien, sei das BSI nicht zuständig.

Das Millionengrab Luca war mehr Hindernis als Wunderwaffe im Kampf gegen die Pandemie. Jetzt gilt es zu verhindern, dass die PR-Ritter rund um Smudo weitere Millionen einsacken. Die Bundesländer sollten stattdessen überprüfen, ob Regressansprüche geltend gemacht werden können.