Guten Morgen,

die Nacht begann genauso unruhig, wie sie langsam in den Morgen übergeht. Zunächst lag Donald Trump in Florida vorn, aber „to early to make a call“; dann ging Kentucky an Trump; Vermont an Biden; West Virginia an Trump; Virginia an Biden …

Das Rennen ist noch nicht ausgemacht, das ist die entscheidende Botschaft.

Hätte Biden Florida für sich entschieden, wäre Biden gemäß FiveThirtyEight zu 99 Prozent als Gewinner aus dem Rennen hervorgegangen. Trump musste Florida gewinnen, um seine Chancen auf eine zweite Amtszeit nicht zu dezimieren.

Ein Zeichen der Hoffnung: Joe R. Biden gewinnt die meisten unabhängigen Wähler*innen und Nicht-Wähler*innen aus 2016. Mit diesen zwei Wählergruppen hätte Hillary Clinton 2016 gewonnen.

Solange unklar bleibt, wer der nächste US-Präsident wird, kann ich Dich nur mit einigen (Live-)Quellen versorgen:

Nur die ganz hart gesottenen schalten bei CNN ein. Im Ernst: Ich rate davon ab!

What else?

  • Rekordwahlbeteiligung: Schon vor dem gestrigen Wahltag hatten 100 Millionen US-Amerikaner*innen ihre Stimme abgegeben; das entspricht in etwa 70 Prozent der Wahlbeteiligung von 2016.
  • Gemäß einer Hochrechnung von NBC News können die Demokraten ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigen.
  • QAnon im Senat: Mit Marjorie Taylor Greene zieht für Georgia die erste QAnon-Anhängerin in den Senat. Greene werden zudem rassistische, antisemitische und islamophobe Äußerungen nachgesagt. QAnon ist ein komplexer Verschwörungsmythos, nach dem eine Elite verdeckt über den sogenannten „deep state“ regiert und zudem einen Kinderhändlerring betreibt. Laut dem anonymen „Q“, der diesen Verschwörungsmythos auf Reddit in die Welt gesetzt hat, ist Donald Trump durch das Militär in einer Geheimaktion eingesetzt, um den „deep state“ zu zerschlagen. Die Langfassung zu QAnon gibt es hier und hier.
  • Diverse Demokrat*innen in den Senat: Gute Nachrichten dagegen gab es aus Delaware. Dort wurde Sarah McBride zur ersten transgender Senator*in gewählt. Ebenfalls gute Nachrichten gibt es aus Florida; dort gewann die Demokratin Lois Frankel gegen die Republikanerin Laura Loomer, die unter anderem durch islamophobe Aussagen aufgefallen ist.
  • Spannendes Rennen um die Senatsmehrheit: Der ehemalige demokratische Gouverneur John Hickenlooper aus Colorado hat den ersten zusätzlichen Senatssitz erfochten. Dadurch gerät die Senatsmehrheit der Republikaner allerdings vorerst in Gefahr; denn für Alabama konnte der Republikaner Tommy Tuberville einen Sitz von den Demokraten zurückgewinnen. Patt!

Ich werde jetzt einen „Power nap“ einlegen und melde mich gegen 7:00 Uhr wieder.

Viele Grüße
Dominik Lawetzky