Guten Morgen,

noch nie empfand ich es als so mühsam, mich dazu aufzuraffen, diesen Newsletter zu schreiben. Über die letzten sieben Tage hat sich eine Liste mit möglichen Themen und Unterthemen angesammelt, die mich ins Schwitzen bringen lässt.

Ich habe lange überlegt, wie ich die Menge an Themen und die Abfolge der Ereignisse am sinnvollsten darstelle. Doch die vergangene Woche war zu ereignisreich für einen 1000-und-irgendwas-Wörter langen Newsletter. (Zumal ich mich bereits im Juni letzten Jahres damit schwertat, der Black Lives Matter-Bewegung in angebrachter Länge gerecht zu werden.)

Deswegen habe ich für diese Woche nur eine Linkliste mit einigen spannenden Texten, Podcasts und Videos zusammengestellt. Bis zur nächsten Woche werde ich entweder einen regulären Blogposts über einzelne Aspekte des Sturms auf das Kapitol schreiben oder in der kommenden Augenmerk-Ausgabe nochmals darauf eingehen.

Die New York Times hat rekonstruiert, wie es zu dem Sturm auf das Kapitol gekommen ist:

How a Pro-Trump Mob Stormed the U.S. Capitol
Hundreds of people barreled past fence barricades and clashed with police officers in an attempt to disrupt the certification of the Electoral College results.

Donald Trump hatte, kurz bevor der Mob das Kapitol stürmte, zu seinen Anhänger*innen gesagt: "Wir gehen zum Kapitol ... wir werden unser Land nicht mit Schwäche zurückholen. Ihr müsst Stärke zeigen."

Hear what Donald Trump told crowd before riot at Capitol - CNN Video
CNN’s Erin Burnett takes a look at what President Donald Trump told a crowd of supporters before rioters gathered at the US Capitol to protest the 2020 election.

Kurz nachdem der Mob in das Kapitol eingedrungen war, wurden die Abgeordneten und Senator*innen, zusammen mit etlichen Journalist*innen, evakuiert und in ein sicheres Versteck gebracht.

I’m in a roomful of people ‘panicked that I might inadvertently give away their location’
I was working at the Capitol when the Trump D.C. riots hit.

Beim Hören des Podcast The Daily wird einem der Ernst der Lage klar: Das hätte anders ausgehen können ...

An Assault on the Capitol
A mob incited by President Trump stormed into Congress, disrupting the certification of Joe Biden’s election victory. We hear from our colleagues who were inside the building.

Dass es überhaupt so weit gekommen ist, lag unter anderem an der unvorbereiteten Capitol Police und daran, dass Geheimdienste nicht schnell genug reagiert haben. Seit Wochen hatten sich Trump-Anhänger*innen auf Twitter, aber auch auf Parler (dazu gleich mehr) organisiert:

How They Stormed Congress
An exploration of the online planning and on-the-ground failures that contributed to the attack on the Capitol.

Donald Trump und große Teile der republikanischen Partei haben eine solche Eskalation durch ihre Rhetorik des Hasses erst ermöglicht. Darin sind sich die Kommentator*innen einig – sogar beim konservativen Wall Street Journal.

Opinion | Bring the Insurrectionists to Justice
The politicians who egged them on should also be made to pay a heavy price.
It Wasn’t Strictly a Coup Attempt. But It’s Not Over, Either.
Experts say recent actions by President Trump and his loyalists are harder to stop than a coup — citing anti-democratic slides in Turkey and Venezuela as closer examples.

Als Folge forderten die Demokraten, aber auch einzelne republikanische Abgeordnete den Vize-Präsidenten Pence dazu auf, den 25. Zusatzartikel zur Verfassung einzusetzen.

Pence has not ruled out 25th Amendment, source says
Karl Racine, the attorney general of Washington, DC, called on Vice President Mike Pence to invoke the 25th Amendment and work to remove President Donald Trump from office.

Andernfalls streben die Demokraten ein zweites Impeachment, diesmal mit Verurteilung vorm Senat an:

Impeachment-Vorwurf gegen Trump: Anstiftung zum Aufruhr
Die Resolution der US-Demokraten für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump enthält als einzigen Anklagepunkt den Vorwurf der “Anstiftung zum Aufruhr”. Auch immer mehr Republikaner wenden sich von Trump ab.

Die einhellige Meinung ist: Donald Trump ist zu weit gegangen. Diese Meinung teilen neuerdings auch Facebook, Google, Twitter und Amazon. Donald Trump wurde deplattformisiert.

Twitter Permanently Bans Trump, Capping Online Revolt
The president’s preferred megaphone cited “the risk of further incitement of violence.” It acted after Facebook, Snapchat, Twitch and other platforms placed limits on him.
Facebook Bars Trump Through End of His Term
Mark Zuckerberg, Facebook’s chief executive, said the risks of Mr. Trump using the service were too great, even as Twitter lifted its lock on the president’s account.

Das noch relativ neue Soziale Netzwerk Parler zählt zu den Zufluchtsorten rechter Republikaner*innen. Der Dienst positioniert sich gegen "strikte" Moderation, wie sie beispielsweise durch Twitter stattfinde. Mittlerweile haben Google und Apple den Dienst aus ihren App-Stores suspendiert. Außerdem hat Amazon angekündigt, Parler nicht länger seine Server zur Verfügung zu stellen. (Amazon gehört das größte mietbare Server-Netzwerk: Amazon Web Services, AWS.)

- The Washington Post