Antragstext:

Der Kreisausschuss wird gebeten, zu prüfen, welchen Nutzen Trinkwasser-Spender haben, die den Schüler*innen und dem Schulpersonal kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Bei der Prüfung sollen mindestens folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  1. die Qualität der vorhandenen Trinkwasser-Versorgung über Leitungswasser,
  2. die Möglichkeit, sich Trinkwasser aus den Wasserhähnen in mitgebrachte Behälter zu füllen (insbesondere die Tiefe der Waschbecken-Vorrichtung),
  3. die Kosten, die durch die Anschaffung und regelmäßige Wartung von Trinkwasser-Spendern anfallen,
  4. psychologische Anreize für Schüler*innen und das Schulpersonal, mehr Wasser zu sich zu nehmen.

Darüber hinaus beauftragt der Kreistag den Kreisausschuss damit, die einwandfreie Trinkwasser-Versorgung über Leitungswasser an Schulen sicherzustellen. Sollten Mängel bei der Trinkwasser-Versorgung an Schulen festgestellt werden, so stellt der Schulträger schnellstmöglich kostenfreie Alternativen für die Schüler*innen und das Schulpersonal zu Verfügung.

Begründung:

Die Trinkwasser-Versorgung an Schulen ist elementar wichtig. Mangelnde Flüssigkeitszufuhr führt unter anderem zu abnehmender Konzentration, Kopfschmerzen und Kreislauf-Problemen1. Dehydrierung stellt ein erhebliches gesundheitliches Risiko dar. Ausgegangen von einer empfohlenen Getränkezufuhr von 1530 ml für Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren und bei einem exemplarisch veranschlagten täglichen Aufenthalt von 7 Stunden in der Schule, resultiert ein Trinkwasser-Bedarf von circa 765 ml pro Schüler*in je Schultag (siehe Anlage 1). Während des Schultages findet demzufolge ein erheblicher Teil der täglichen Trinkwasser-Zufuhr statt.

Diesen Bedarf sollte die schulische Trinkwasser-Versorgung decken. Vorrangig sollte dies über das Abfüllen von Leitungswasser geschehen. Kann jedoch die Versorgung mit einwandfreiem Leitungswasser nicht gewährleistet werden oder sind die Waschbecken aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht zum Abfüllen geeignet, sollten Alternativen wie Trinkwasser-Spender zur Verfügung gestellt werden.

Da nicht alle Schulen über Mensen verfügen, der Kauf von verpacktem Trink- oder Mineralwasser zu einem hohen Müllaufkommen führt und dieser individuell hohe finanzielle Auswirkungen haben kann, scheinen Trinkwasser-Spender eine adäquate Alternative zu sein.

Darüber hinaus deuten wissenschaftliche Befunde2 darauf hin, dass durch die Installation von Wasserspendern der durchschnittliche Trinkwasser-Konsum gesteigert werden kann (siehe Anlage 2); dies kann mitunter auf die gesteigerte kognitive Verfügbarkeit von Trinkwasser durch die wiederkehrende Wahrnehmung von spezifisch für die Ermöglichung dessen Konsum vorgesehenen Vorrichtungen erklärt werden (siehe Prüf-Aspekt 4).

Anlage 1:

Der schultägliche Trinkwasser-Bedarf für Schüler*innen wurde nach folgender Formel errechnet:

$$\frac{\text{Gesamtzufuhr durch Getränke}}{(24h - \text{Schlafdauer})} \cdot \text{Länge des Schultages} = \text{Bedarf pro Schultag}$$

Für die empfohlene Gesamtzufuhr durch Getränke werden die Werte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung herangezogen3:

Alter Gesamtzufuhr (ml/Tag) Getränke (ml/Tag) Prozentualer Anteil der Getränke an der Gesamtzufuhr
4 bis unter 7 Jahre 1600 940 59 %
7 bis unter 10 Jahre 1800 970 54 %
10 bis unter 13 Jahre 2150 1170 54 %
13 bis unter 15 Jahre 2450 1330 54 %
15 bis unter 19 Jahre 2800 1530 55 %

Für die Schlafdauer werden die Empfehlungen der American Academy of Sleep Medicine (AASM) herangezogen4:

Alter Empfohlene Schlafdauer
6 bis 12 Jahre 9 bis 12 Stunden pro Tag
13 bis 17 Jahre 8 bis 10 Stunden pro Tag

Für die obige Formel sollte das obere Ende des Intervalls der empfohlenen Schlafdauer herangezogen werden, da so der Anteil des Schultages an den Wachstunden erhöht und folglich eine konservativere Schätzung des Trinkwasser-Bedarf pro Schultag vorgenommen wird. Wichtig ist auch, dass bei der Länge des Schultages die Dauer des Schulwegs berücksichtigt wird. Darüber hinaus geht diese Berechnung davon aus, dass die Wasserzufuhr durch feste Nahrung sichergestellt ist.

Exemplarisch lassen sich für einige Alterskategorien und unter verschiedenen Längen des Schultages folgende Werte für den Trinkwasser-Bedarf pro Schultag errechnen:

Getränke pro Tag (ml/Tag) Schlafdauer (Std.) Länge des Schultages (Std.) Getränke-Bedarf (ml/Schultag)
940 12 7 548,33
970 12 7 565,83
1170 10 7 585,00
1130 10 7 665,00
1530 10 7 765,00
940 12 8 626,67
970 12 8 646,67
1170 10 8 668,57
1130 10 8 760,00
1530 10 8 874,29

Anlage 2:


  1. https://www.nhs.uk/conditions/dehydration/ ↩︎

  2. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21477500/ ↩︎

  3. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/wasser/ ↩︎

  4. https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Studien/Adipositas_Monitoring/Verhalten/PDF_Themenblatt_Schlaf.pdf?__blob=publicationFile ↩︎