Poli­ti­sche Wochen­schau: „I can’t brea­the“

  • Beitrags-Kategorie:Politische Wochenschau
  • Lesedauer:6 Minuten zum Lesen

Guten Nach­mit­tag,

ja, ich bin zu früh … Es ist offen­kun­dig nicht Sonn­tag­mor­gen. Doch in den letz­ten 48 Stun­den ist der­art viel pas­siert, das ich mei­ne übli­che Her­an­ge­hens­wei­se an die­sen News­let­ter über Bord wer­fen muss.

Nor­ma­ler­wei­se kon­zi­pie­re ich die Wochen­schau am Frei­tag­abend (das zum The­ma Sozi­al­le­ben) und schrei­be den Text am Sams­tag­mor­gen (und zum The­ma Aus­schla­fen). Die E‑Mail geht dann geplant sonn­tags raus, wäh­rend ich meis­tens noch gemäch­lich im Bett lie­ge oder auf der Couch die Zei­tun­gen sich­te.

Jetzt habe ich jedoch (berech­tigt) die Sor­ge, dass bis mor­gen früh noch drei The­men hin­zu­kom­men wür­den und sich die von mir aus­ge­wähl­ten The­men wei­ter­ent­wi­ckeln. Wir leben in unru­hi­gen Zei­ten!


In die­ser Wochen­schau rich­ten wir unse­ren Blick fokus­siert auf die Ver­ei­nig­ten Staa­ten – ein Land, das für Poli­tik­wis­sen­schaft­ler glei­cher­ma­ßen Schre­cken und Fas­zi­no­sum ist.

„I can’t brea­the“

Ausschnitt aus dem Beweisvideo, gezeigt auf der Seite der New York Times
Aus­schnitt aus dem Beweis­vi­deo, gezeigt auf der Sei­te der New York Times

Das Video. Muss ich mehr sagen, damit Du weißt, wovon ich rede?

Ich tue es den­noch: Anfang die­ser Woche tauch­te ein Video im Inter­net auf, das die bru­ta­le Fest­nah­me und Tötung von Geor­ge Floyd zeigt.

Ein Ver­käu­fer infor­mier­te am Mon­tag­mor­gen die Poli­zei in Min­nea­po­lis, dass er ver­mu­te, Geor­ge Floyd habe gera­de mit einem gefälsch­ten Geld­schein bezah­len wol­len. Die Poli­zei rück­te an und wur­de Floyd hab­haft. Wäh­rend der Fest­nah­me jedoch kam es zu einer Eska­la­ti­on son­der­glei­chen. Derek Chau­vin, einer der vier anwe­sen­den Poli­zis­ten (!), reißt Floyd bäuch­lings zu Boden und drückt ihm sein Knie in den Nacken.

Die­se Sze­ne wur­de von dem besag­ten Video ein­ge­fan­gen, und sie dau­ert acht uner­träg­li­che Minu­ten. Floyd bit­tet dar­in dar­um, frei­ge­las­sen zu wer­den; er klagt dar­über, dass er kei­ne Luft bekom­me, und hechelt; dann fleht er sogar nach sei­ner Mut­ter, die vor zwei Jah­ren ver­stor­ben ist. Ein Fle­hen, das nur als fina­les Erfas­sen sei­nes tra­gi­schen Schick­sals gedeu­tet wer­den kann. Floyd ver­liert sein Bewusst­sein und stirbt weni­ge Minu­ten spä­ter.

Zu alle­dem kommt noch ein ent­schei­den­der Fakt hin­zu: Geor­ge Floyd war schwarz, Derek Chau­vin ist weiß.

Die Tat reiht sich in eine “beha­vio­ral pat­tern” von Poli­zei­ge­walt gegen­über Schwar­zen in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ein.

Wir alle sind Zeu­gen

Sie ist auch Zei­chen einer Kräf­te­ver­schie­bung. Vor zehn Jah­ren hät­ten wir die Gewalt­tat nicht regis­triert – zumin­dest nicht in die­ser Inten­si­tät, wie sie das Video erzeugt. Wir alle wer­den zu Zeu­gen einer Tötung durch die Staats­ge­walt.

“The video clip laid bare, once again, a phe­no­me­non of the cell­p­ho­ne era: offi­cial poli­ce ver­si­ons of events that diver­ge great­ly from what later appears on video­tape.”

Audra D. S. Burch und John Eli­gon (New York Times)

Ganz ähn­lich ord­net der Bür­ger­recht­ler und Straf­ver­tei­di­ger Ben Crump die Situa­ti­on in der Washing­ton Post ein:

“If not for the omni­pre­sence of video evi­dence, the­se deaths would be swept under the rug. The sto­ries would be twis­ted. The vic­tims would be bla­med. And jus­ti­ce would slip away. But we can’t unsee the eight minu­tes of that officer’s knee on George’s neck, lea­ding to his slow, tor­tur­ous death.”

Ange­stau­ter Unmut

Die Ereig­nis­se über­schlu­gen sich seit Mon­tag. Das Video wirk­te als Kata­ly­sa­tor für all die Wut gegen­über Wei­ßen, das Miss­trau­en in die Staats­ge­walt und vor allem ein Gefühl von poli­ti­scher wie auch juris­ti­scher Ohn­macht, das sich durch eine gan­ze Schicht in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten zieht.

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Tau­sen­de ver­sam­mel­ten sich auf den Stra­ßen Min­nea­po­lis’, um das Min­des­te zu for­dern: die Fest­nah­me des Poli­zis­ten, der Geor­ge Floyd erstick­te. Zwar wur­den alle vier Poli­zis­ten mit sofor­ti­ger Wir­kung aus dem Dienst ent­las­sen; die gefor­der­te (und berech­tig­te) Fest­nah­me folg­te jedoch erst vier Tage spä­ter.

Die Pro­tes­te in Min­nea­po­lis eska­lier­ten am Don­ners­tag­abend. Ein Poli­zei­prä­si­di­um wur­de bedrängt, dann von der Poli­zei auf­ge­ge­ben und schließ­lich in Brand gesteckt. Die Bil­der sind ver­hee­rend – abso­lu­ter Kon­troll­ver­lust.

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On the Edge of Demo­cra­cy

Ich bin ehr­lich, die letz­ten Tagen waren für mich nie­der­schmet­ternd. Ges­tern Abend hat sich das zu spä­ter Stun­de auf Twit­ter ent­la­den und ich schrieb: “This is not what demo­cra­cy loo­ks like.”

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Damit bezog ich mich auf ein wei­te­res Video, das wäh­rend der Pro­tes­te am Frei­tag­mor­gen ent­stand. Ein wei­te­rer Beleg für den abso­lu­ten Kon­troll­ver­lust.

Der CNN-Repor­ter Omar Jime­nez wird fest­ge­nom­men, wäh­rend er Iive berich­tet.

Das Video zeigt, wie Poli­zis­ten ein CNN-Team des schwar­zen Repor­ters Omar Jime­nez grund­los fest­neh­men. Das CNN-Team sen­de­te live – die gesam­te Fest­nah­me. Das Video endet schräg auf dem Boden lie­gend, die Kame­ra sen­det wei­ter, wird von Poli­zis­ten rum­ge­tra­gen.

Der­ar­ti­ge Sze­nen ken­ne ich nur aus Auto­kra­tien. Viel­leicht müs­sen wir dar­über nach­den­ken, wie viel Demo­kra­tie die Ver­ei­nig­ten Staa­ten noch sind?

Trump vs. Twit­ter

Und wenn wir schon dabei sind, über die­se Fra­ge zu kon­tem­plie­ren, soll­ten wir uns auch anse­hen, wel­ches Ver­ständ­nis Donald Trump vom 1st Amend­ment der US-Ver­fas­sung hat.

In die­sem Zusam­men­hang möch­te ich kurz auf die Web­site trumpt​weet​t​rack​.com/ hin­wei­sen, die Trumps Tweet-Ver­hal­ten detail­liert sta­tis­tisch aus­wer­tet, z. B. nach sei­nen aktivs­ten Zei­ten, größ­ten Fein­den und häu­figst ver­wen­de­ten Wör­tern.

Emp­feh­lung: So freund­lich sein, wie es das Gesetz gera­de noch zulässt

“Die­se Zei­tung ist ein Organ der Nie­der­tracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu die­ser Zei­tung bei­trägt, ist gesell­schaft­lich abso­lut inak­zep­ta­bel. Es wäre ver­fehlt, zu einem ihrer Redak­teu­re freund­lich oder auch nur höf­lich zu sein. Man muß so unfreund­lich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gera­de noch zuläßt. Es sind schlech­te Men­schen, die Fal­sches tun.”

Ex-Tita­nic-Kolum­nist Max Gold in ‘Mein Nach­bar und der Zynis­mus’ über die BILD-Zei­tung

Vie­len Dank für Dei­ne Auf­merk­sam­keit. In die Wochen­schau ste­cke ich viel Arbeit, die unbe­zahlt ist (Wer­bung kommt nicht infra­ge!), und auch Geld für Zugrif­fe für die etli­chen Medi­en, die ich täg­lich durch­ar­bei­te.

Du kannst mir einen Rie­sen­ge­fal­len tun, indem du den News­let­ter teilst und abon­nierst, soll­te das noch nicht der Fall sein.

Wenn Du Anre­gun­gen oder Fra­gen hast, kannst Du ein­fach auf die E‑Mail ant­wor­ten und wir kön­nen ins Gespräch kom­men. Ich freue mich!

Vie­le Grü­ße
Domi­nik Lawetz­ky

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Poli­ti­sche Wochen­schau: Bei­fang-Kon­trol­le

  • Beitrags-Kategorie:Politische Wochenschau
  • Lesedauer:4 Minuten zum Lesen

Guten Mor­gen,

Grund­rech­te gel­ten auch über deut­sche Gren­zen hin­aus. Klingt nach einer Selbst­ver­ständ­lich­keit, ist es jedoch in den Augen des Bun­des­nach­rich­ten­diensts nicht. Die­ser betrieb jah­re­lang die Pra­xis der Aus­län­der-Aus­län­der-Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung. Die Begrün­dung: Wer sich nicht im Staats­ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf­hal­te, sei “zum Abschluss frei­ge­ben”.

Kon­trol­le und Recht­fer­ti­gung

Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he

Die abge­fan­ge­nen Daten­sät­ze wur­den mit­tels soge­nann­ter Selek­to­ren gefil­tert. Die wie­der soll­ten sicher­stel­len, dass nur nach­rich­ten­dienst­lich rele­van­te Infor­ma­tio­nen aus­ge­wer­tet wer­den. Dabei war ein nicht uner­heb­li­cher “Bei­fang” unver­meid­bar: Journalist:innen, die zum “Isla­mi­schen Staat” oder Al-Quai­da recher­chier­ten, und Menschrechtler:innen gerie­ten ins Visier des BNDs. Kon­trol­liert wur­de das bis­lang nicht hin­rei­chend, erklär­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt am Diens­tag:

“Ins­be­son­de­re ist die Über­wa­chung nicht auf hin­rei­chend bestimm­te Zwe­cke begrenzt und durch die­se kon­troll­fä­hig struk­tu­riert; auch fehlt es an ver­schie­de­nen Schutz­vor­keh­run­gen, etwa zum Schutz von Jour­na­lis­ten oder Rechts­an­wäl­ten.”

Pres­se­mit­tei­lung des BVerfG (Nr. 37/​2020 vom 19. Mai 2020)

Ronen Stein­ke lob­te das Urteil in der Süd­deut­schen Zei­tung (20./21. Mai):

“[… D]ass deut­sche Spio­ne ihre Auf­trä­he aus Ber­lin anneh­men, ohne dass selbst Leit­plan­ken des eige­nen Grund­ge­set­zes sie effek­tiv ein­schrän­ken – das kann man nicht akzep­tie­ren. […] Der BND wird künf­tig in jedem Ein­zel­fall genau­er dar­le­gen müs­sen, war­um die­ses oder jenes ‘deut­sches Inter­es­se’ die Grund­rech­te die­ses Aus­län­ders über­wiegt.”

Rich­tig ist, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine effek­ti­ve (!) Kon­trol­le der Über­wa­chungs­ak­ti­vi­tä­ten des BNDs for­dert, die

  • einer­seits das “Rechts­schutz­de­fi­zit” der Über­wach­ten aus­gleicht und
  • ande­rer­seits prüft, ob der BND in den Gren­zen sei­ner Befug­nis­se bleibt.
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„See­li­sche Fol­ter“

Die­se Woche mach­te ein beein­dru­cken­des Video die Run­de. Der 84-jäh­ri­ge Alfon Blum, der an einer “Coro­na-Demo” teil­nahm, wird von einem ARD-Team gefragt, was ihn dazu antrieb:

“Mei­ne Frau ist in einem Pfle­ge­heim seit Mit­te Dezem­ber. Ich bin 84, sie auch. Und ich hab sie schon seit acht Wochen nicht gese­hen. Das ist eine see­li­sche Fol­ter – das sag ich Ihnen! Ich war vor­her jeden Tag bei ihr und jetzt kann ich nicht mehr.”

Das ist in jeder Hin­sicht bewe­gend und zeigt, dass nicht nur Idio­ten auf sol­chen Demons­tra­tio­nen anzu­tref­fen sind. Lei­der sind es aller­dings genug Idio­ten. Und so mischt sich in das Fern­seh­in­ter­view ein ande­rer Demons­trant ein:

“Dank Mer­kel-Regime! Wir hat­ten vor zwei Jah­ren eine Influ­en­za und da war die Ster­be­ra­te viel höher. Da hat sich kei­ne Sau dafür inter­es­siert! Nicht eine ein­zi­ge Sau! Und heu­te wird ein Lock­down ver­an­stal­tet. Lass dich doch nicht ver­al­bern!”

Blum bleibt ruhig und hält dage­gen, man müs­se doch ver­nünf­tig blei­ben. Die Maß­nah­men sei­en gerecht­fer­tigt, wenn auch uner­träg­lich. Dar­auf­hin geht der “Regime-Kri­ti­ker” ad homi­nem:

“Wenn du ARD und ZDF zuhörst, dann hast du prak­tisch die Kon­trol­le über dein Leben ver­lo­ren!”

In die­sem Video scheint nur einer die Kon­trol­le über sein Leben ver­lo­ren zu haben … Es ist erbärm­lich.

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Has­nain Kazim kom­men­tiert die­se Sze­ne auf ZEIT online:

“Die Lau­ten, Dum­men und Aggres­si­ven geben den Ton an. […] Legi­ti­me, kon­struk­ti­ve, frucht­ba­re Kri­tik ist plötz­lich dis­kre­di­tiert durch das Geschrei von Popu­lis­ten, Ver­schwö­rungs­er­zäh­lern, Impf­geg­nern und sons­ti­gen merk­wür­di­gen Gestal­ten. Dabei ist das Anlie­gen des Man­nes nach­voll­zieh­bar: Er möch­te sei­ne Frau wie­der­se­hen. Ein Wunsch, den man ihm sofort erfül­len möch­te. Aber weil ein Hau­fen Ver­rück­ter den Raum kapert, in dem er sei­ne Gedan­ken äußert, läuft er Gefahr, in eine Ecke gestellt zu wer­den, in die er nicht gehört.”

Sind Viren ras­sis­tisch?

Vor eini­gen Wochen emp­fahl ich an die­ser Stel­le einen Essay des Poli­tik­wis­sen­schaft­lers Her­man Däub­le, der wie vie­le ande­re die Über­zeu­gung ver­trat, dass uns “ein Virus zum Glei­chen” mache. Klu­ger­wei­se rela­ti­vier­te Däub­le sei­ne Aus­sa­ge: “zumin­dest was die Gefahr der Anste­ckung angeht”.

Mitt­ler­wei­le steht fest: Die Rede vom “Gre­at Equa­li­zer” ist ein Mythos.

Die New York Times pro­du­zier­te zu der Fra­ge, “Wie ras­sis­tisch ist das Virus?”, einen her­vor­ra­gen­den Pod­cast – hier ein Aus­zug:

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Emp­feh­lung: Bes­ser Mar­kie­ren!

Bildschirmfoto Readwise

Read­wi­se ist ein unschein­ba­rer Online-Dienst, der eine Sache ver­dammt gut macht: die eige­nen Mar­kie­run­gen aus Kind­le-E-Books, Pocket- oder Insta­pa­per-Arti­kel u. v. m. zusam­men­tra­gen.

Ich nut­ze Read­wi­se erst seit Kur­zem, möch­te den Dienst aber jetzt schon nicht mehr mis­sen. Vor­her habe ich mir umständ­lich manu­ell inter­es­san­te Pas­sa­gen aus E‑Books und ande­ren Tex­ten in eine Ever­no­te-Notiz­buch kopiert – das erle­digt Read­wi­se fort­an auto­ma­ti­siert.

Ich wün­sche Dir eine ange­neh­me Woche und bleib kri­tisch!


Vie­le Grü­ße
Domi­nik Lawetz­ky

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Intern: Umstel­lung des News­let­ters

  • Beitrags-Kategorie:In eigener Sache
  • Lesedauer:3 Minuten zum Lesen

Seit Anfang April ver­schi­cke ich mei­nen News­let­ter Die Poli­ti­sche Wochen­schau auch als E‑Mail. Das hat nicht nur zu eini­gen neu­en Leser:innen, son­dern auch zu einem Umden­ken bei mir geführt: Wie addres­sie­re ich mei­ne Leser:innen? Wel­che Bezie­hung habe ich als Autor zu ihnen? Wie gestal­te ich den News­let­ter am bes­ten?

„Abschlie­ßend bleibt mir nur, zu sagen, dass der News­let­ter erst­mal im Beta-Betrieb läuft. Soll­ten Schwie­rig­kei­ten auf­tre­ten, freue ich mich über eine kur­ze E‑Mail oder eine Nach­richt über Twit­ter. Für alle RSS-Liebhaber:innen bleibt alles beim Alten: Der Link zum Feed fin­det sich im Menü oder ein­fach bei /​feed.“

Intern: RSS vs. E‑Mail-News­let­ter

Nach vier Wochen und vier News­let­tern wur­de es Zeit, zwei Ver­bes­se­run­gen vor­zu­neh­men, die ich an die­ser Stel­le kurz erläu­tern möch­te.

Hal­lo, Revue!

Tech­nisch rea­li­sie­re ich den News­let­ter mit­tels Mail­Po­et. Exter­ne Inhal­te – wie der Hea­der – sind auf dem glei­chen Ser­ver wie die­se Sei­te gehos­tet (mehr zum Hos­ting die­ser Sei­te). Die Ver­sand-Adres­se [email protected] ist über einen Sen­der Poli­cy Frame­work (SPF) gesi­chert, somit soll­te der News­let­ter auch nicht all­zu oft im Spam-Ord­ner lan­den (zumin­dest ist der Spam-Score mit ‑0,2 gering). Und ganz wich­tig: Eine Boun­ce-Adres­se, an die alle Non-Deli­very-Noti­fi­ca­ti­ons gehen, damit das Post­fach nicht zuge­müllt wird.

Intern: RSS vs. E‑Mail-News­let­ter

Mail­Po­et funk­tio­nier­te gut, aber bei wei­tem nicht per­fekt. Die Mail­Po­et-Ober­flä­che ist in Wor­d­Press als Plugin ein­ge­bun­den und dem­entspre­chend trä­ge. Außer­dem sind die For­ma­tie­rungs­op­tio­nen eher man­gel­haft – die News­let­ter sehen nicht aus wie aus dem Jahr 2020.

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Poli­ti­sche Wochen­schau: Der Raus­wurf (KW 20)

  • Beitrags-Kategorie:Politische Wochenschau
  • Lesedauer:4 Minuten zum Lesen

Die­se Woche geht es in der poli­ti­schen Wochen­schau um den – mehr oder weni­ger über­ra­schen­den – Par­tei­aus­schluss des bran­den­bur­gi­schen AfD-Poli­ti­kers Andre­as Kal­bitz und die Ver­schwö­rungs­de­mons­tra­tio­nen in Deutsch­land.

Andre­as Kal­bitz
Bild: Vin­cent Eis­feld /​ nord​hau​sen​-wiki​.de /​ CC-BY-SA‑4.0

Raus­wurf

Im Juli letz­ten Jah­res bezeich­ne­te Andre­as Kal­bitz, damals bran­den­bur­gi­scher Spit­zen­kan­di­dat der AfD, das Gan­ze in einem Inter­view mit Jung & Naiv noch als „Besuch“. Er habe sich die neo­na­zis­ti­sche Hei­mat­treue Deut­sche Jugend (HDJ) „ange­guckt“, um sich „sel­ber ein Bild [zu] mache[n]“. Schluss­end­lich sagt er, sei es nicht seins gewe­sen, sonst „hät­te ich ja da was gemacht“. Es scheint jedoch so, als hät­te er ja da was gemacht, so taucht die „Fami­lie Andre­as Kal­bitz“ auf einer Lis­te ehe­ma­li­ger Mit­glie­der des mitt­ler­wei­le ver­bo­te­nen Ver­eins auf.

Die­se Cau­sa hat­te der Par­tei­vor­stand der AfD ges­tern zu ver­han­deln, denn die HDJ steht auf der Unver­ein­bar­keits­lis­te der AfD. Kal­bitz selbst gab erst auf Nach­fra­ge gegen­über dem Par­tei­vor­stand an, auf einer „Inter­es­sen- und Kon­akt­lis­te“ der HDJ gestan­den zu haben. Dar­über hin­aus infor­mier­te er über eine ehe­ma­li­ge Mit­glied­schaft bei den Repu­bli­ka­nern in den 90er-Jah­ren.

Mit­te der Woche kam die Über­ra­schung: Der Par­tei­vor­sit­zen­de Jörg Meu­then bean­trag­te, der Vor­stand sol­le Kal­bitz‘ Mit­glied­schaft in der AfD für nich­tig erklä­ren. (Meu­then erwog bereits Anfang April eine Spal­tung der AfD vom rechts­na­tio­na­len „Flü­gel“. Auf Druck des AfD-Vor­stands ent­schul­dig­te er sich weni­ge Tage spä­ter für den offen­kun­dig unab­ge­spro­che­nen Vor­stoß. Sein Vor­ge­hen gegen Kal­bitz soll­te in die­sem Kon­text betrach­tet wer­den.)

Mit knap­per Mehr­heit votier­te der Par­tei­vor­stand der AfD am Frei­tag für Kal­bitz‘ Par­tei­aus­schluss – wie­der ein­mal Scha­dens­be­gren­zung.

„Doch auch der Raus­wurf von Kal­bitz ist noch kein Beleg dafür, dass sich in der AfD nun etwas grund­le­gend ändert. Nur eine hauch­dün­ne Mehr­heit der Vor­stän­de sprach sich für die Tren­nung von Kal­bitz aus. Fast die Hälf­te war dage­gen. Das ist bezeich­nend.“

Mar­kus Bal­ser, Süd­deut­sche Zei­tung

Unklar ist zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt, ob die­se Form der Nich­tig­erklä­rung Kal­bitz‘ AfD-Mit­glied­schaft rech­tens ist. Der Par­tei­en­recht­ler Mar­tin Mor­lok hält den Beschluss für unwirk­sam. Ein Par­tei­au­schluss sei nicht durch den Vor­stand, son­dern ein Schieds­ge­richt zu ent­schie­den. „Das ist auch aus­drück­lich so gewollt, damit inner­par­tei­ische Macht­kämp­fe nicht auf die­sem Weg aus­ge­tra­gen wer­den kön­nen“, erklärt er gegen­über der FAZ.

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Simu­la­ti­on: Nur vier Kon­tak­te

  • Beitrags-Kategorie:Wissenschaft
  • Lesedauer:3 Minuten zum Lesen

Ein Groß­teil der Men­schen in Deutsch­land (und fast allen ande­ren Staa­ten) hat in den letz­ten zwei Mona­ten, „wo immer es mög­lich ist, auf Sozi­al­kon­tak­te ver­zich­tet“. Neben den recht­li­chen Rege­lun­gen (max. X Per­so­nen aus X Haus­hal­ten), die nur ein­ge­schränkt kon­trol­liert wer­den kön­nen, lohnt sich ein Blick auf die weni­gen pri­va­ten Kon­tak­te, die uns viel­leicht unver­zicht­bar erschei­nen.

Ich möch­te an die­ser Stel­le aus­drück­lich dar­auf hin­wei­sen, dass es nicht nur legi­tim, son­dern auch drin­gend erfor­der­lich ist, in die­ser schwie­ri­gen Zeit auf sozia­le Kon­ta­ke zurück­zu­grei­fen. Nicht jeder sozia­le Kon­takt muss phy­sisch statt­fin­den.​*​ (Dar­um soll­ten wir uns auch ange­wöh­nen, von Phy­si­cal Distancing zu spre­chen statt fälsch­li­cher­wei­se von Social Distancing.) Phy­si­scher Kon­takt wird nie­mals durch digi­ta­le Kon­takt­for­men wie Video­te­le­fo­nie zu erset­zen sein, da die Unmit­tel­bar­keit des Kon­takts und häu­fig auch die Berüh­rung nicht digi­tal simu­liert wer­den kön­nen.

Auf der ande­ren Sei­te beob­ach­te ich, dass eini­ge den Zusam­men­hang von Infek­ti­ons­ri­si­ko bzw. ‑über­tra­gun­gen und der Anzahl der engen phy­si­schen Kon­tak­te unter­schät­zen. Man tref­fe sich doch nur mit vier Freund:innen, das sei ja noch in Ord­nung.

Im Gegen­satz zu den Gefah­ren​†​, die eine Pan­de­mie mit sich bringt, las­sen sich die Risi­ken​‡​ rela­tiv gut bestim­men und (meis­tens) sinn­voll kom­mu­ni­zie­ren.

Wie hoch ist also das Risi­ko, ande­re zu infi­zie­ren, rela­tiv zur Anzahl der engen phy­si­schen Kon­tak­te?

Für die Simu­la­ti­on gehe ich davon aus, dass der Index­pa­ti­ent („Pati­ent 0“) vier Freund:innen regel­mä­ßig trifft und mit zwei wei­te­ren Per­so­nen in einem Haus­halt lebt. Außer­dem ver­wen­de ich als Basis­re­pro­duk­ti­ons­zahl den Wert 3. Das heißt, jede:r Infizierte:r steckt etwa drei wei­te­re Per­so­nen an (natür­lich nur, solan­ge über­haupt so vie­le enge phy­si­sche Kon­tak­te bestehen).

Rot dar­ge­stellt sind alle von SARS-CoV‑2 Infi­zier­ten; weiß die nicht-infi­zier­ten engen phy­si­schen Kon­tak­te (pri­mär) und deren enge phy­si­schen Kon­tak­te (sekun­där):

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