Intern: Umstel­lung des News­let­ters

Seit Anfang April ver­schi­cke ich mei­nen News­let­ter Die Poli­ti­sche Wochen­schau auch als E‑Mail. Das hat nicht nur zu eini­gen neu­en Leser:innen, son­dern auch zu einem Umden­ken bei mir geführt: Wie addres­sie­re ich mei­ne Leser:innen? Wel­che Bezie­hung habe ich als Autor zu ihnen? Wie gestal­te ich den News­let­ter am bes­ten?

„Abschlie­ßend bleibt mir nur, zu sagen, dass der News­let­ter erst­mal im Beta-Betrieb läuft. Soll­ten Schwie­rig­kei­ten auf­tre­ten, freue ich mich über eine kur­ze E‑Mail oder eine Nach­richt über Twit­ter. Für alle RSS-Liebhaber:innen bleibt alles beim Alten: Der Link zum Feed fin­det sich im Menü oder ein­fach bei /​feed.“

Intern: RSS vs. E‑Mail-News­let­ter

Nach vier Wochen und vier News­let­tern wur­de es Zeit, zwei Ver­bes­se­run­gen vor­zu­neh­men, die ich an die­ser Stel­le kurz erläu­tern möch­te.

Hal­lo, Revue!

Tech­nisch rea­li­sie­re ich den News­let­ter mit­tels Mail­Po­et. Exter­ne Inhal­te – wie der Hea­der – sind auf dem glei­chen Ser­ver wie die­se Sei­te gehos­tet (mehr zum Hos­ting die­ser Sei­te). Die Ver­sand-Adres­se [email protected] ist über einen Sen­der Poli­cy Frame­work (SPF) gesi­chert, somit soll­te der News­let­ter auch nicht all­zu oft im Spam-Ord­ner lan­den (zumin­dest ist der Spam-Score mit ‑0,2 gering). Und ganz wich­tig: Eine Boun­ce-Adres­se, an die alle Non-Deli­very-Noti­fi­ca­ti­ons gehen, damit das Post­fach nicht zuge­müllt wird.

Intern: RSS vs. E‑Mail-News­let­ter

Mail­Po­et funk­tio­nier­te gut, aber bei wei­tem nicht per­fekt. Die Mail­Po­et-Ober­flä­che ist in Wor­d­Press als Plugin ein­ge­bun­den und dem­entspre­chend trä­ge. Außer­dem sind die For­ma­tie­rungs­op­tio­nen eher man­gel­haft – die News­let­ter sehen nicht aus wie aus dem Jahr 2020.

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Poli­ti­sche Wochen­schau: Der Raus­wurf (KW 20)

Die­se Woche geht es in der poli­ti­schen Wochen­schau um den – mehr oder weni­ger über­ra­schen­den – Par­tei­aus­schluss des bran­den­bur­gi­schen AfD-Poli­ti­kers Andre­as Kal­bitz und die Ver­schwö­rungs­de­mons­tra­tio­nen in Deutsch­land.

Andre­as Kal­bitz
Bild: Vin­cent Eis­feld /​ nord​hau​sen​-wiki​.de /​ CC-BY-SA‑4.0

Raus­wurf

Im Juli letz­ten Jah­res bezeich­ne­te Andre­as Kal­bitz, damals bran­den­bur­gi­scher Spit­zen­kan­di­dat der AfD, das Gan­ze in einem Inter­view mit Jung & Naiv noch als „Besuch“. Er habe sich die neo­na­zis­ti­sche Hei­mat­treue Deut­sche Jugend (HDJ) „ange­guckt“, um sich „sel­ber ein Bild [zu] mache[n]“. Schluss­end­lich sagt er, sei es nicht seins gewe­sen, sonst „hät­te ich ja da was gemacht“. Es scheint jedoch so, als hät­te er ja da was gemacht, so taucht die „Fami­lie Andre­as Kal­bitz“ auf einer Lis­te ehe­ma­li­ger Mit­glie­der des mitt­ler­wei­le ver­bo­te­nen Ver­eins auf.

Die­se Cau­sa hat­te der Par­tei­vor­stand der AfD ges­tern zu ver­han­deln, denn die HDJ steht auf der Unver­ein­bar­keits­lis­te der AfD. Kal­bitz selbst gab erst auf Nach­fra­ge gegen­über dem Par­tei­vor­stand an, auf einer „Inter­es­sen- und Kon­akt­lis­te“ der HDJ gestan­den zu haben. Dar­über hin­aus infor­mier­te er über eine ehe­ma­li­ge Mit­glied­schaft bei den Repu­bli­ka­nern in den 90er-Jah­ren.

Mit­te der Woche kam die Über­ra­schung: Der Par­tei­vor­sit­zen­de Jörg Meu­then bean­trag­te, der Vor­stand sol­le Kal­bitz‘ Mit­glied­schaft in der AfD für nich­tig erklä­ren. (Meu­then erwog bereits Anfang April eine Spal­tung der AfD vom rechts­na­tio­na­len „Flü­gel“. Auf Druck des AfD-Vor­stands ent­schul­dig­te er sich weni­ge Tage spä­ter für den offen­kun­dig unab­ge­spro­che­nen Vor­stoß. Sein Vor­ge­hen gegen Kal­bitz soll­te in die­sem Kon­text betrach­tet wer­den.)

Mit knap­per Mehr­heit votier­te der Par­tei­vor­stand der AfD am Frei­tag für Kal­bitz‘ Par­tei­aus­schluss – wie­der ein­mal Scha­dens­be­gren­zung.

„Doch auch der Raus­wurf von Kal­bitz ist noch kein Beleg dafür, dass sich in der AfD nun etwas grund­le­gend ändert. Nur eine hauch­dün­ne Mehr­heit der Vor­stän­de sprach sich für die Tren­nung von Kal­bitz aus. Fast die Hälf­te war dage­gen. Das ist bezeich­nend.“

Mar­kus Bal­ser, Süd­deut­sche Zei­tung

Unklar ist zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt, ob die­se Form der Nich­tig­erklä­rung Kal­bitz‘ AfD-Mit­glied­schaft rech­tens ist. Der Par­tei­en­recht­ler Mar­tin Mor­lok hält den Beschluss für unwirk­sam. Ein Par­tei­au­schluss sei nicht durch den Vor­stand, son­dern ein Schieds­ge­richt zu ent­schie­den. „Das ist auch aus­drück­lich so gewollt, damit inner­par­tei­ische Macht­kämp­fe nicht auf die­sem Weg aus­ge­tra­gen wer­den kön­nen“, erklärt er gegen­über der FAZ.

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Simu­la­ti­on: Nur vier Kon­tak­te

Ein Groß­teil der Men­schen in Deutsch­land (und fast allen ande­ren Staa­ten) hat in den letz­ten zwei Mona­ten, „wo immer es mög­lich ist, auf Sozi­al­kon­tak­te ver­zich­tet“. Neben den recht­li­chen Rege­lun­gen (max. X Per­so­nen aus X Haus­hal­ten), die nur ein­ge­schränkt kon­trol­liert wer­den kön­nen, lohnt sich ein Blick auf die weni­gen pri­va­ten Kon­tak­te, die uns viel­leicht unver­zicht­bar erschei­nen.

Ich möch­te an die­ser Stel­le aus­drück­lich dar­auf hin­wei­sen, dass es nicht nur legi­tim, son­dern auch drin­gend erfor­der­lich ist, in die­ser schwie­ri­gen Zeit auf sozia­le Kon­ta­ke zurück­zu­grei­fen. Nicht jeder sozia­le Kon­takt muss phy­sisch statt­fin­den.​*​ (Dar­um soll­ten wir uns auch ange­wöh­nen, von Phy­si­cal Distancing zu spre­chen statt fälsch­li­cher­wei­se von Social Distancing.) Phy­si­scher Kon­takt wird nie­mals durch digi­ta­le Kon­takt­for­men wie Video­te­le­fo­nie zu erset­zen sein, da die Unmit­tel­bar­keit des Kon­takts und häu­fig auch die Berüh­rung nicht digi­tal simu­liert wer­den kön­nen.

Auf der ande­ren Sei­te beob­ach­te ich, dass eini­ge den Zusam­men­hang von Infek­ti­ons­ri­si­ko bzw. ‑über­tra­gun­gen und der Anzahl der engen phy­si­schen Kon­tak­te unter­schät­zen. Man tref­fe sich doch nur mit vier Freund:innen, das sei ja noch in Ord­nung.

Im Gegen­satz zu den Gefah­ren​†​, die eine Pan­de­mie mit sich bringt, las­sen sich die Risi­ken​‡​ rela­tiv gut bestim­men und (meis­tens) sinn­voll kom­mu­ni­zie­ren.

Wie hoch ist also das Risi­ko, ande­re zu infi­zie­ren, rela­tiv zur Anzahl der engen phy­si­schen Kon­tak­te?

Für die Simu­la­ti­on gehe ich davon aus, dass der Index­pa­ti­ent („Pati­ent 0“) vier Freund:innen regel­mä­ßig trifft und mit zwei wei­te­ren Per­so­nen in einem Haus­halt lebt. Außer­dem ver­wen­de ich als Basis­re­pro­duk­ti­ons­zahl den Wert 3. Das heißt, jede:r Infizierte:r steckt etwa drei wei­te­re Per­so­nen an (natür­lich nur, solan­ge über­haupt so vie­le enge phy­si­sche Kon­tak­te bestehen).

Rot dar­ge­stellt sind alle von SARS-CoV‑2 Infi­zier­ten; weiß die nicht-infi­zier­ten engen phy­si­schen Kon­tak­te (pri­mär) und deren enge phy­si­schen Kon­tak­te (sekun­där):

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Poli­ti­sche Wochen­schau: Fron­ten­ver­här­tung (KW 19)

„Das ist die neue Rea­li­tät in Deutsch­land, das Zeit­al­ter der Unver­söhn­lich­keit“, heißt es im Spie­gel. Ja, die Zei­ten sind unver­söhn­lich – oder um einen Gemein­platz zu bedie­nen: in Zei­ten von Coro­na ste­hen sich „Team Risi­ko“ und „Team Dis­zi­plin“ unver­söhn­lich gegen­über. Zusätz­lich for­mier­te sich in den letz­ten Tagen ein drit­tes „Team“: „Team Atti­la, Ken und Xavier“. In Ber­lin, Stutt­gart, Köln, Mün­chen und ande­ren deut­schen Städ­ten ver­sam­mel­ten sich hun­der­te, zum Teil tau­sen­de Gegner:innen der Maß­nah­men zur Ein­däm­mung des Coro­na­vi­rus, die längst gelo­ckert wer­den.

Ja, es gäbe eini­ge berech­tig­te Ansatz­punk­te für Kri­tik am bis­he­ri­gen Kri­sen­ma­nage­ment. Aber dar­um geht es den Demons­trie­ren­den größ­ten­teils nicht. Sie wer­den mobi­li­siert von in eine Alter­na­tiv­welt abge­drif­te­ten Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern (ja, es sind meis­tens Män­ner!) – dar­un­ter der Fern­seh­koch Atti­la Hild­mann, der zur­zeit eher ver­stän­di­ge Gemü­ter auf­ko­chen lässt als vega­nes Rata­touille.

Screenshot von Attila Hildmanns Telegram-Kanal
Hild­mann betreibt einen Kanal beim Mes­sen­ger-Dienst Tele­gram,
die­se Nach­rich­ten stam­men vom 8. Mai

Bild: 4lert4

Weil mich das Gan­ze auch bis zum Geht-nicht-mehr auf­regt, ich mir jedoch bewusst bin, dass ich den größ­ten­teils anti­se­mi­ti­schen Ver­schwö­rungs­theo­rien nur Auf­wind ver­schaf­fe, wenn ich mich ein­zig und allein destruk­tiv dar­über erbo­se, habe ich eine klei­ne Über­sicht zusam­men­ge­stellt: qua­si eine auf­klä­re­ri­sche Lage­über­sicht in Zei­ten von Coro­na.

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Essay: “Die meis­ten Men­schen haben einen Schnup­fen.”

Die Coro­na-Roman­tik ist ein Sym­ptom der Wahr­neh­mungs­stö­rung, die unse­re Rea­li­tät ver­zerrt. In ihrem Essay for­dern Eme­ly Dil­chert und Domi­nik Lawetz­ky, dem einen neu­en Expres­sio­nis­mus ent­ge­gen­zu­stel­len.

„Ich wer­de das gemein­sa­me Dra­ma ver­mis­sen. Ja, das haben wir durch­lebt, ein gemein­sa­mes Dra­ma. […] Ich wer­de auch den Coro­na-Spa­zier­gang ver­mis­sen. Was für ein Spa­zier­gang! […] Wir haben das Uni­ver­sum mit einem ande­ren Blick betrach­tet. Wie sehr haben wir die Natur geehrt! Wel­che Blu­men haben wir stu­diert, in wel­chen Düf­ten sind wir ertrun­ken.”

Rea Vita­li, Prot­a­go

Man­che Men­schen leben in einer Welt, die nicht die hie­si­ge zu sein scheint. Eine Welt so kun­ter­bunt, so grü­nend und strah­lend, so lebens­froh und bezwit­schert, dass sie schon fast ins Unwirk­li­che abdrif­tet. In die­ser Welt ist Zeit nicht Geld, son­dern Antrieb; das täg­li­che Kochen nicht Stress, son­dern Life­style; das digi­ta­le Home-Office nicht Belas­tung, son­dern Frei­heit. Die in ihr leben, sind die Fla­neu­re der Moder­ne.

Aber wer kann sich das Fla­neur­sein leis­ten? Ist nicht eigent­lich Pan­de­mie, Phy­si­cal Distancing und Hand­hy­gie­ne? Erzeu­gen hier eini­ge eine Roman­tik, wo es eigent­lich eines neu­en Expres­sio­nis­mus bedürf­te?

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