Ticker: SARS-CoV-2-Pandemie

Die­ser Ticker wird rele­vante Mel­dun­gen aus Wis­sen­schaft, Poli­tik und Wirt­schaft zum soge­nann­ten neu­ar­ti­gen Coro­na­vi­rus abde­cken. Außer­dem fin­den sich hier einige all­ge­meine Fak­ten zum Virus und der durch das Virus indu­zier­ten Erkran­kung.

Der Über­sicht hal­ber ist der Ticker geglie­dert in drei Mel­dun­gen aus Wis­sen­schaft (orange), Poli­tik (grün) und Wirt­schaft (blau). Der Ticker wird mehr­mals täg­lich aktua­li­siert.

In eige­ner Sache: Wir kom­men aktu­ell nicht mehr nach, alle wis­sen­schaft­li­chen Publi­ka­tio­nen, Pre­prints etc. zu lesen; des­we­gen schlie­ßen wir die­sen Ticker. Wer auf dem Lau­fen­den blei­ben will, dem emp­feh­len wir die Sei­ten des Spie­gel sowie Zeit online.

Inhalt

Ticker

Wissenschaft: Aktuelle Fallzahlen für Deutschland (25.03.2020, 15:00)

Fol­gende inter­ak­tive Gra­fik zeigt die aktu­elle COVID-19-Fall­zahl und die Ent­wick­lung in Deutsch­land. Die Daten wer­den bezo­gen von der Johns-Hop­kins-Uni­ver­si­tät und täg­lich aktua­li­siert.

Zudem hier eine ein­fach model­lierte Expo­nen­ti­al­funk­tion, die dem reel­len Wachs­tum annä­he­rend ent­spricht und damit grobe Vor­her­sa­gen mög­lich macht. Wich­tig: Die aktu­ell ein­ge­lei­te­ten Maß­nah­men wir­ken sich mit Ver­zö­ge­rung (Delay) auf die Ent­wick­lung der COVID-19-Infek­tio­nen aus, da die Zeit zwi­schen Infek­tion und Mani­fes­ta­tion – Inku­ba­ti­ons­zeit genannt – den Impact ver­zö­gert erschei­nen lässt.

Die y‑Achse ist loga­rith­misch ska­liert, wodurch expo­en­ti­el­les Wachs­tum (CASES /​ FORECAST) liniear dar­ge­stellt wird; das dient zur Über­sicht. Unten noch­mal die glei­chen Gra­phen mit einer lineare y‑Ach­sen-Ska­lie­rung.

Hier gelan­gen Sie zu den Gra­fi­ken in Voll­for­mat.

+++ EIL: Pressekonferenz mit Kanzlerin Merkel /​ umfassende Einschränkungen des öffentlichen Lebens (16.03.2020, 18:35) +++

Soeben gab Regie­rungs­chefin Angela Mer­kel umfas­sende Maß­nah­men bekannt, die zu weit­rei­chen­den Ein­schrän­kun­gen des öffent­li­chen Lebens füh­ren wer­den.

Eine Über­sicht über die Maß­nah­men fin­den Sie hier.

Wissenschaft: Warum verbreiten sich Viren wie SARS-CoV‑2 exponentiell? (16.03.2020, 08:45)

Die­ser Frage geht die Washing­ton Post nach und illus­triert dafür die Ver­brei­tung von Viren äußerst anschau­lich. In meh­re­ren Gra­fi­ken wer­den die Effekte von social distan­cing und ande­ren Maß­nah­men simu­liert.

Hier gelan­gen Sie zum Arti­kel der Washing­ton Post.

Wissenschaft: 3675 bestätigte COVID-19-Fälle in Deutschland (14.03.2020, 12:00)

Die bestä­tig­ten Fall­zah­len ändern sich der­zeit stünd­lich mehr­fach, den­noch kurz zur Ein­ord­nung die Zah­len (laut Johns-Hop­kins-Uni­ver­si­tät):

  • In Deutsch­land sind 3675 Fälle von COVID-19 bestä­tigt. Am stärks­ten betrof­fen ist nach wie vor Nord­rhein-West­fa­len, aber auch Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg. Nähere Infor­ma­tio­nen zur Ver­tei­lung der Infek­tio­nen fin­den sich auf der Seite des Robert-Koch-Insti­tuts.
  • Inter­na­tio­nal sind 145.377 Fälle gemel­det, wobei die Zähl­weise und die Dun­kel­zif­fer je nach Land vari­iert; die reelle Fall­zahl liegt mut­maß­lich deut­lich höher.
  • In Ita­lien – dem euro­päi­schen Kri­sen­herd – sind mitt­ler­weile 17.660 Fälle gemel­det.

Als klei­ner Hin­weis: Eine ein­fa­che expo­nen­ti­elle Model­lie­rung des Ver­laufs in Deutsch­land, die Pavel Mayer am 9. März auf Twit­ter dar­ge­stellt hat, behält bis heute recht. Die Model­lie­rung sah für den 13. März etwa 3700 Fälle vor (in Rea­li­tät wur­den etwa 3600 Fälle gemel­det).

Politik: Merkel betont, dass “uns sehr viel abverlangt würde” /​ die aktuelle Krise sei “außergewöhnlicher als die Bankenkrise” /​ Schulbetrieb wird eingestellt /​ umfassende Wirtschaftshilfen (14.03.2020, 11:46)

Am Don­ners­tag kamen die Minis­ter­prä­si­den­ten der Län­der und Kanz­le­rin Mer­kel mit Exper­ten aus der Wis­sen­schaft zusam­men, um ihre Maß­nah­men als Reak­tion auf die aktu­elle Krise zu koor­di­nie­ren. In der anschlie­ßen­den Pres­se­kon­fe­renz appel­lierte die Kanz­le­rin an alle: „Wir sind in einer Situa­tion, die außer­ge­wöhn­lich ist in jeder Bezie­hung, und zwar, ich würde sagen außer­ge­wöhn­li­cher als zu der Zeit der Ban­ken­krise.” Jede und jeder ein­zelne sei dazu auf­ge­for­dert, sich und seine Mit­men­schen zu schüt­zen, indem sie und er die Sozi­al­kon­takte auf ein Mini­mum redu­ziert.

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Der baye­ri­sche Minis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder betonte: „Alles, was nicht drin­gend not­wen­dig ist, sollte man ver­schie­ben. […] Die Lage ver­schlech­tert sich täg­lich.”

Fol­gende Maß­nah­men wur­den beschlos­sen:

  • Alle nicht zwin­gend not­wen­di­gen kli­ni­schen Ein­griffe sol­len ver­scho­ben wer­den, um das Gesund­heits­sys­tem zu ent­las­ten. Diese Rege­lung gilt ab Mon­tag für unbe­stimmte Zeit. Den Kran­ken­häu­sern ver­si­chern Bund und Län­der umfas­sende (finan­zi­elle) Unter­stüt­zung.
  • Ver­an­stal­tun­gen mit über 1000 Teil­neh­mern sind bun­des­weit unter­sagt. Ein­zelne Län­der, aber auch Kom­mu­nen haben die Rege­lung ver­schärft: Die hes­si­sche Lan­des­haupt­stadt Wies­ba­den unter­sagt bei­spiels­weise alle Ver­an­stal­tun­gen mit mehr als 150 Teil­neh­mern. In etli­chen Kom­mu­nen sind fortan alle Kul­tur­ein­rich­tun­gen – Museen, Kinos, Thea­ter etc. – geschlos­sen.
  • Im Laufe des gest­ri­gen Frei­tags haben nach und nach alle Bun­des­län­der bekannt­ge­ge­ben, ihre Kitas und Schu­len zu schlie­ßen bzw. die Schul­pflicht auf­zu­he­ben; eine Not­be­treu­ung fin­det teil­weise statt. Auch an den Uni­ver­si­tä­ten kommt es zu mas­si­ven Ein­schrän­kun­gen des Lehr­be­triebs; vie­ler­orts wird das Som­mer­se­mes­ter nach hin­ten ver­scho­ben.
  • Der Bund beschloss zudem umfas­sende Wirt­schafts­hil­fen für von durch die Pan­de­mie ver­ur­sachte Gewinn­ein­bu­ßen gefähr­dete Unter­neh­men. Dazu gehört unter ande­rem eine Fle­xi­bi­li­sie­rung des Kurz­ar­bei­ter­gel­des, Liqui­di­täts­hil­fen und Stun­dung von Steu­er­zah­lun­gen.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen zu den Wirt­schafts­hil­fen fin­den Sie hier.

  • Einige Bun­des­län­der, aber auch Kom­mu­nen füh­ren umfas­sende Besuchs­ein­schrän­kun­gen für Kran­ken­häu­ser und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen ein.
  • Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­rium ruft dazu auf, dass sich all die­je­ni­gen in Selbst­qua­ran­täne bege­ben sol­len, die “inner­halb der letz­ten 14 Tage” in Ita­lien, in der Schweiz oder in Öster­reich waren.
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Politik: Offenbar Schulschließungen in Niedersachsen am Montag /​ Virologe Christian Drosten tendiert zu Schulschließungen (12.03.2020, 17:07)

Chris­tian Dros­ten, Viro­loge der Ber­li­ner Cha­rité, revi­dierte heute im Pod­cast des NDR seine bis­he­rige Ableh­nung gegen­über Schul­schlie­ßun­gen. Mit Bezug auf eine Ana­lyse zu den Aus­wir­kun­gen der spa­ni­schen Grippe 1918 in ame­ri­ka­ni­schen Groß­städ­ten (dar­über hat­ten wir bereits im Ticker berich­tet) ten­diert Dros­ten zur Schlie­ßung von wei­ter­füh­ren­den Schu­len. Der Schlie­ßung von Kin­der­ta­ges­stät­ten und Grund­schu­len hält er wegen der dann feh­len­den Betreu­ung für nicht hilf­reich.

Andere Viro­lo­gen wie Alex­an­der Kekulé for­dern schon län­ger die Schlie­ßung von Schu­len, um die unkon­trol­lierte Aus­brei­tung des SARS-CoV‑2 zu mini­mie­ren.

Der Neuen Presse zufolge beschloss der Kri­sen­stab der nie­der­säch­si­schen Lan­des­re­gie­rung heute, die Schu­len in Nie­der­sach­sen von kom­men­den Mon­tag an bis zu den Oster­fe­rien zu schlie­ßen: “Die nie­der­säch­si­schen Schü­ler gehen somit frü­hes­tens am 15. April wie­der zur Schule.”

Schles­wig-Hol­steins Gesund­heits­mi­nis­ter Hei­ner Garg (FDP) sprach sich für “dras­ti­sche Maß­nah­men zur rech­ten Zeit” aus. Auch Schul­schlie­ßun­gen halte er für ein pro­ba­tes Mit­tel. Bei der Ent­schei­dung für oder gegen Schul­schlie­ßun­gen dürfe die indi­vi­du­elle Betreu­ungs­si­tua­tion keine Rolle spie­len, da es um die Gesund­heit aller gehe.

Die Stadt Halle schließt ab mor­gen alle Kitas, Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten. Die Maß­nahme gelte vor­erst bis zum 27. März, erklärte der Ober­bür­ger­meis­ter Bernd Wie­gand (par­tei­los).

Wirtschaft: Auswirkungen der Corona-Krise auf die Börsen (12.03.2020, 07:38)

Der Daten­wis­sen­schaft­ler Daniel Krie­sel hat zwei Visua­li­sie­run­gen erstellt, die den Bör­sen­crash durch die Corona-Krise mit der Dot­com-Krise 2000, der Welt­wirt­schafts­krise 2008 und einem klei­nen “Dip” 2018 ver­glei­chen. Die vier Gra­phen fan­gen gleich­ge­setzt bei 0 Pro­zent – rela­tiv für den Wert vor dem Kurs­rück­gang – an. Graph 1 zeigt die Kurs­ent­wick­lung des Deut­schen Akti­en­in­dex; Graph 2 die des US-ame­ri­ka­ni­schen S&P 500 (Stand 10.03.2020 nach Bör­sen­start).

Graph 1
Graph 2

Wissenschaft: Virusreplikation nicht nur in der Lunge /​ frühere Entlassungen von hospitalisierten COVID-19-Erkrankten möglich (11.03.2020, 21:37)

Aktu­ell sorgt der Pre­print einer Stu­die für Auf­se­hen, die die Ergeb­nisse aus Beob­ach­tun­gen der ers­ten baye­ri­schen COVID-19-Fälle aus­wer­tet. Bemer­kens­wert an der Stu­die sind neue Erkennt­nisse bezüg­lich der Infek­tio­si­tät und die dar­aus resul­tie­ren­den Kon­se­quen­zen für die Hand­lungs­pra­xis in Kran­ken­häu­sern.

Der Stu­die zufolge repli­ziert sich das Virus auch im obe­ren Rachen­be­reich und lässt sich im Stuhl nach­wei­sen:

“SARS-CoV‑2 can actively repli­cate in the upper respi­ra­tory tract, and is shed for a pro­lon­ged time after sym­ptoms end, inclu­ding in stool. These fin­dings sug­gest adjust­ments of cur­rent case defi­ni­ti­ons and re-eva­lua­tion of the pro­s­pects of out­break con­tain­ment.”

Pre­print: „Cli­ni­cal pre­sen­ta­tion and viro­lo­gi­cal assess­ment of hos­pi­ta­li­zed cases of coro­na­vi­rus disease 2019 in a tra­vel-asso­cia­ted trans­mis­sion clus­ter“

Dem­entspre­chend sind Fäkal-Oral-Infek­tio­nen nicht län­ger aus­zu­schlie­ßen, gleich­wohl die Wahr­schein­lich­keit für eine klas­si­sche Tröpf­chen­in­fek­tion signi­fi­kant höher liegt, da sich das Virus nicht nur in der Lunge repli­ziert.

Das Immun­sys­tem scheint zügig auf SARS-CoV‑2 zu reagie­ren; Anti­kör­per wer­den bereits nach sechs bis zwölf Tagen gebil­det. Das erklärt, wieso die Infek­tion bei etwa 80 Pro­zent mild ver­läuft. Inter­es­sant ist auch, dass das Virus auch kurz nach der Sero­kon­ver­sion noch nach­weis­bar ist: “Rather, sero­con­ver­sion early in week 2 coin­ci­des with a slow but steady decline of spu­tum viral load.” Als Sero­kon­ver­sion wird die erfolg­rei­che Bil­dung von Anti­kör­pern gegen einen Erre­ger im Rah­men einer Immun­re­ak­tion bezeich­net. Die Autoren der Stu­die wei­sen dar­auf hin, dass sich aus die­ser Erkennt­nis über die Immun­re­ak­tion auf SARS-CoV‑2 Kon­se­quen­zen für die Impf­stoff­ent­wick­lung sowie das Ent­las­sungs­ma­nage­ment in Kran­ken­häu­sern erge­ben:

“Based on the pre­sent fin­dings, early discharge with ensuing home iso­la­tion could be cho­sen for pati­ents who are bey­ond day 10 of sym­ptoms with less than 100,000 viral RNA copies per ml of spu­tum. Both cri­te­ria pre­dict that there is little resi­dual risk of infec­tivity, based on cell cul­ture.”

Pre­print: „Cli­ni­cal pre­sen­ta­tion and viro­lo­gi­cal assess­ment of hos­pi­ta­li­zed cases of coro­na­vi­rus disease 2019 in a tra­vel-asso­cia­ted trans­mis­sion clus­ter“

Pre­prints von Stu­dien wur­den noch kei­nem Peer-Review (Zwei-Augen-Prin­zip) unter­zo­gen und könn­ten metho­di­sche Schwach­stel­len und/​oder Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen auf­wei­sen.

Zum Pre­print der Stu­die gelan­gen Sie hier.

Veröffentlicht am: 7. April 2020
Geschrieben von: Dominik Lawetzky und Matthias Lawetzky
Kategorien: Wissenschaft

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