Essay: Intel­li­genz aus. Deka­denz an.

Urlaubs­sai­son. Wir flie­gen Tau­sen­de Kilo­me­ter, um schein­bar frem­de Kul­tu­ren zu erfah­ren. Dabei sit­zen wir einer sagen­haf­ten Insze­nie­rung der Tou­ris­mus­bran­che auf.

Bild: Enri­co Peri­ni

Die Frei­heit ist ein Luxus, den sich nicht jeder­mann gestat­ten kann. 

Otto von Bis­marck

Im Jahr 2018 flo­gen cir­ca 22 Mil­lio­nen Men­schen pri­vat. Sie reis­ten im Inland, um sich eine (meist teu­re­re) Zug- oder Auto­fahrt zu erspa­ren. Man­che ver­schlug es quer durch Euro­pa. Ande­re reis­ten über den Atlan­tik in fer­ne Regio­nen.

Die west­li­che Mit­tel­schicht wur­de, was das Flie­gen anbe­langt, längst zum Wie­der­ho­lungs­tä­ter. Wir hegen die luxu­riö­se Ima­gi­na­ti­on, in elf Stun­den die hal­be Welt zu über­flie­gen sei nicht anor­mal.

Der Groß­teil der Flug­rei­sen ist durch das Bedürf­nis, „Urlaub“ zu wol­len, begrün­det. Nach einem anstren­gen­den Jahr vol­ler Arbeit stün­de es einem zu, dem All­tag zu ent­flie­hen und ins Unbe­kann­te zu rei­sen. Gleich­zei­tig könn­ten wir auf die­se Wei­se Kul­tu­ren erle­ben und Men­schen ken­nen­ler­nen, zu denen uns nor­ma­ler­wei­se kein Zugang gewährt ist. Zum einen flie­hen wir, zum ande­ren suchen wir.

Im Urlaub lässt sich ein Pot­pour­ri han­dy­süch­ti­ger All­tags­es­ka­pis­ten, San­da­len tra­gen­der Aben­teu­rer und deka­den­ter am Cock­tail­glas nuckeln­der Par­ty-Teens begut­ach­ten. Hier zeigt sich der kul­tu­rel­le Nie­der­gang unse­rer west­li­chen Luxus­ge­sell­schaft.

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